終風
Anonymous (Shijing)
終風且暴,顧我則笑。
謔浪笑敖,中心是悼。
終風且霾,惠然肯來。
莫往莫來,悠悠我思。
終風且曀,不日有曀。
寤言不寐,願言則嚏。
曀曀其陰,虺虺其靁。
寤言不寐,願言則懷。
Die ungeliebte Gattin, 4. "Die WInde wehen immerdar" Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 20f.
Die Winde wehen immerdar.
Sieht er mich einmal an,
Ist's so ungefüg,
Spottend schaut er drein,
Doppelt fühl' ich meinen Gram.
Staub gibt's, wenn die Winde wehn
Will er zu mir gehn,
Zu vergessen seinen Groll,
Bleibt auf halbem Weg er stehn,
So muß ich ihn sehn.
Geht der Wind, wird trüb die Luft,
Ach, mein Himmel trübt
Zweimal sich am Tag.
Seufzer traget mich von hier,
Nichts mich trösten mag!
Nichts als Wind und Windeswehen Conrad Haußmann (1857–1922)
— in: Haußmann, Conrad. "Im Tau der Orchideen" und andere chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. München: Albert Langen, Verlag für Literatur und Kunst, 1908. p. 6.
— in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 56f.
Nichts als Wind und Windeswehen.
Ach, anstatt mich anzusehen,
Lacht er, – lacht mich aus sein Mund.
Er versteht sich aufzublähen,
Stolz und dreist sich wegzudrehen
Und mein Herz ist weh und wund.
Bläst der Wind, so muß es stauben.
Schau, er kommt und macht mich glauben,
Daß ich wieder glücklich bin!
Doch er weiß das Glück zu rauben,
Ist er da, spielt er den Tauben
Und ich starre vor mich hin.
Wetter, Wind und Wolken grollen.
Längst hätt ich schon schlafen sollen,
Tränen gönnen keine Ruh.
Trüber Himmel, Donnerrollen –
Ach, ich habe ruhen wollen
Und muß denken immerzu!
— in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 56f.
Der harte Mann Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 44.
Es stürmt und tobt bei Tag und Nacht,
Er schaut mich an und lacht mich aus.
Wie bös sein Wort, wie stolz er lacht!
Im Herzen sieht mir's traurig aus.
Es stürmt, und schwarze Wolken stehn.
Blickt er mich einmal freundlich an,
Ist's doch kein Kommen, ist kein Gehn,
Und lange, lange denk ich dran.
Es stürmt, und dunkle Wetter ziehn,
Nacht wird es, eh der Tag noch graut.
Der Schlaf muß meine Augen fliehn,
Ich denke dran und stöhne laut.
Die Wetterwolken jagen hin,
Es wächst des Donners dumpfer Groll.
Der Schlaf muß meine Augen fliehn,
So ist mein Herz der Sehnsucht voll.
Klage einer ungeliebten Gattin, 4. "Immer weh'n die Winde" Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 35f.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 19.
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 245f.
Immer wehn die Winde.
Blickt er einmal nach mir her,
Ist's so ungelinde,
Daß es scheint, als spottet er,
Und ich doppelt meinen Gram empfinde,
Ihn empfinde doppelt schwer.
Wenn die Winde wehn,
Wird die Luft vom Staube voll.
Zu mir will er gehen
Und vergessen seinen Groll;
Auf des Weges Mitte bleibt er stehen,
Daß ich nur ihn sehen soll.
Wenn der Wind sich übet,
Wird bewölkt der Lüfte Hag;
Und mein Himmel trübet
Zweimal sich an einem Tag.
Meine Seufzer, daß ihr fort mich hübet,
Da mich hier nichts trösten mag.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 19.
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 245f.
Klage über die hochmütige Behandlung durch den Gemahl Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 99.
Immer Wind und Sturm darein!
Sieht er mich, so lacht er mein,
Lacht mit frechen Spötterei'n,
Und mein Herz ist voller Pein.
Immer Wind und Nebelwehn!
Freundlich scheint er herzugehn;
's ist kein Kommen, ist kein Gehn.
Endlos muß ich sinnend stehn.
Immer Wind und Düster drein!
Eh' es tagt, fällt Düster drein.
Ich wach' auf, muß schlaflos sein,
Möchte reden, – schluck' es ein.
Finster stets die Düsterniß,
Drohend stets der Donnerkrach.
Ich wach' auf, muß schlaflos sein,
Möchte reden, grüble nach.