Hong yan 鴻鴈

by Anonymous (Shijing)

Dynasty: Zhou 周 (1045 BC–256 BC)

Included in: Ruan Yuan 阮元 (ed.). Mao shi zheng yi 毛詩正義, Shi san jing zhu shu 十三經注疏 2. Taipei: Yee Wen Publishing Co., Ltd., 2001. 373f.

Compare translations

Translations

5
  • Johann Cramer : Verwiesene
    Die wilden Gänse ziehen von hier fort, Und schlagen mit den Flügeln laut. Wir gehn, und blieben gern am Ort, Durch Wüsten, wo uns graut. Beklagenswert ist unser Loos; Doch wer fern von den Aeltern ist, Und wo das Weib den Mann, der Mann das Weib vermißt, Die sitzen wohl in tief'rer Trauer Schooß. Die wilden Gänse ließen in den See Hernieder sich und rudern sacht. Wir haben uns bei Klag' und Heimathweh Aus Lehm schon Hütt' an Hütt' gemacht. Wir wenden alle Kraft dazu, Und sparen Arbeit nicht, bemüht, Vielleicht, daß hier uns noch ein neues Glück erblüht, Lebend'gen oder Todten noch wird Ruh'. Die wilden Gänse laut mit Flügelschlag Und Stöhnen fliegen hin. Ein Kluger nur es bald enträthseln mag Wie traurig ist mein Sinn. Der Ueberkluge aber, der sich nicht Auf Menschenherz und Lauf der Welt versteht, Der glaubt, ich kenne nicht der Wahrheit Pflicht; Und daß auf Trug mein Lied ausgeht.

    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 137.
  • Günther Debon (1921–2005): Die wilden Gänse
    in: Debon, Günther. Mein Haus liegt menschenfern, doch nah den Dingen. Dreitausend Jahre chinesischer Poesie. München: Eugen Diederichs Verlag, 1988. p. 226.
  • Friedrich Rückert (1788–1866): Vertriebene
    Die wilden Gänse ziehen in die Ferne Mit lautem Flügelklang. Vertrieben nehmen wir, und ließen's gerne, Durch Wüsten unsern Gang. All unser Loos ist zu bedauern; Doch die da ihre Eltern missen, Und die den' Gatten sind entrissen, Wer sollte nicht zumal mit denen trauern? Wildgänse haben in des Ge'es Mitte Hernieder sich gethan. Wir richten auf von Lehmen Hütt' an Hütte, Und siedeln so uns an. Die letzte Kraft wird aufgeboten, Nicht Müh noch Arbeit wird gescheuet, Vielleicht daß uns ein Glück erfreuet, Daß Ruh uns wird, Lebend'gen oder Todten. Die wilden Gänse schlagen ihre Schwingen, Und fliegen stöhnend hin. Nur ein Verständ'ger merkt an meinem Singen, Daß ich im Jammer bin. Wer aberweis' und überklug Nicht kennt den Lauf der Dinge, Sagt, weil ich singe, Es sey Betrug.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 197.
  • Victor von Strauß (1809–1899): Für das obdachlose Volk werden Wohnungen gebaut
    Die wilden Gänse fliegen auf, Und ihren Flügeln saust es nach. Als jene Herrn gesendet wurden, Gab's Noth und Plag' ohn' Dach und Sach; Allüberall elende Leute, Und einzle Greis' und Wittwen ach! Die wilden Gänse fliegen auf, Und senken sich dem Teiche zu. Als jene Herrn für's Bauen waren, Erstanden hundert Wänd' im Nu; Und hatten wir auch Noth und Plage, So wohnt man endlich doch in Ruh. Die wilden Gänse fliegen auf, Indeß ihr Schreien traurig klagt. Dieß waren noch verständ'ge Männer, Sie nannten uns bedrängt, geplagt. Doch unverständ'ge Leute waren's, Die Übermuth uns nachgesagt.

    in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 291.
  • Wilhelm Michael Treichlinger (1902–1973): Wildgänse im Flug
    in: Treichlinger, Wilhelm Michael. Shu ist jagen gegangen. Chinesische Gedichte aus dem Schi-King.. Zürich: Verlag der Arche, 1948. p. 47.

鴻鴈于飛,肅肅其羽。 之子于征,劬勞于野。 爰及矜人,哀此鰥寡。 鴻鴈于飛,集于中澤。 之子于垣,百堵皆作。 雖則劬勞,其究安宅。 鴻鴈于飛,哀鳴嗸嗸。 維此哲人,謂我劬勞。 維彼愚人,謂我宣驕。