山有樞
Anonymous (Shijing)
山有樞。隰有榆。 子有衣裳。弗曳弗婁。 子有車馬。弗馳弗驅。 宛其死矣 。他人是愉。 山有栲。隰有杻。 子有廷內。弗洒弗埽。 子有鐘鼓。弗鼓弗考。 宛其死矣。他人是保。 山有漆。隰有栗。 子有酒食。何不日鼓瑟。 且以喜樂。且以永日。 宛其死矣。他人入室。
Der arme Reiche Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 87f.
Baum wächst auf dem Berge, Gräser in dem Thal. Dieser Mann hat Kleider Ganz nach seiner Wahl, Doch er trägt sie nicht, Pferde stehn im Stall, Reiten kann er nicht, Sterben wird er ungelebt, Und der Erb’ sein Gut erstrebt. Thöricht ist der Mensch! Baum wächst auf dem Berge, Gras an Berges Fuß. Viele Häuser hat er, Doch der Gäste Gruß Nie vernimmt er drin, Und das Glockenspiel Schweiget immer still. Ungelebt man ihn begräbt, Andern ist, was er erstrebt, Thöricht ist der Mensch! Baum wächst auf dem Berge, Blum' in Thales Grund. Wein hat er und Speise, Doch es wird nicht kund, Ob er sitzt beim Schmaus, Alles ringsum schweigt, Keiner trommelt, geigt. Sterben wird er ungelebt, Seinen Schatz ein Andrer hebt. Thorheit ist der Geiz!
Der arme Reiche Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 125f.
— in: Wille, Bruno. Die Weltdichter fremder Zungen und Schätze aus ihren Werken in deutscher Nachdichtung. Von den Veden bis Tolstoi.. Berlin: Märkische Verlagsanstalt, 1911. p. 66.
— in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 55f.
Auf dem Berge wächst der Baum, Gräser in des Tales Raum. Dieser Mann hat Kleider, legt sie doch nicht an, Rosse, die er leider, Auch nicht reiten kann. Ungelebet wird er sterben, Und die Fremden werdens erben. O der Menschen Torenwahn. Auf dem Berge wächst der Baum, Gräser an des Berges Saum. Häuser hat er viele, keine Gäste drin; Seine Glockenspiele Schweigen immerhin. Ungelebt wird er begraben; Was er hat, wer wird es haben? O der Menschen Torensinn! Auf dem Berge wächst der Baum, Auf dem Apfel wächst der Flaum. Wein hat er und Speise, Geig und Flöt im Haus; Warum macht er leise Nicht Musik beim Schmaus? Sterben wird er ungelebet, Daß den Schatz ein Fremder hebet; Lacht den geizgen Toren aus!