褰裳
Anonymous (Shijing)
子惠思我,褰裳涉溱。 子不我思,豈無他人,狂童之狂也且。 子惠思我,褰裳涉洧。 子不我思,豈無他士,狂童之狂也且。
Ermuthigung Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 66.
Bin ich dir wirklich lieb, Gilt dir mein Kuß etwas; Wohlan, so steure her Und setze übern See. Und willst du nicht, so geh', Nur wo du magst, es gibt der Knaben mehr. Bin ich dir wirklich werth, Hängst du an mir mit Schmerz, So sind'st du wohl den Kahn, Der zu mir fährt heran. Doch wenn dich's nicht beschwert Zu lassen mich, leicht tröstet sich mein Herz.
Erkühnung Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 20.
Liebst du mich, gedenkst noch mein, Heb' dein Kleid doch in die Höh', Wate zu mir durch den See! Doch gedenkst du nicht mehr mein, Wird mir wohl ein Andrer fehlen, Dich zu quälen, toll zu quälen? Liebst du mich, gedenkst noch mein, Nimm doch deine Kleider auf, Wag' durchs Wasser frisch den Lauf! Doch gedenkst du nicht mehr mein, Wird mir wohl ein Andrer fehlen, Dich zu quälen, toll zu quälen?
O du dummer, dummer Bub Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 17.
Denkst du noch in Liebe mein, Will ich barfuß selbst den Zin durchwandern. Sollt ich schon vergessen sein, Meinst, es gäb nicht einen andern? O du dummer, dummer Bub! Denkst du noch in Liebe mein, Will ich barfuß auch den Wei durchschreiten. Sollt ich schon vergessen sein, Meinst, es gäb nicht einen zweiten? O du dummer, dummer Bub!
Erkühnung Friedrich Rückert (1788–1866)
Bin ich dir die Theure, Gilt dir was mein Kuß; Ei wohlan so steure Zu mir über'n Fluß! Willst du's nicht, so wandre Wo du magst, und andre Find' ich wol, wenn ich dich missen muß. Bin ich dir die Werthe, Hast du nach mir Weh; Suche dir die Fährte Zu mir über'n See! Magst du's nicht, so lass' es, Und es macht kein nasses Auge mir, wenn ich dich nicht mehr seh.