民勞
Anonymous (Shijing)
民亦勞止 ,汔可小康。 惠此中國,以綏四方。 無縱詭隨,以謹無良。 式遏寇虐,憯不畏明。 柔遠能邇,以定我王。 民亦勞止 ,汔可子休。 惠此中國,以為民逑。 無縱詭隨,以謹惛怓。 式遏寇虐,無俾民憂。 無棄爾勞,以為王休。 民亦勞止 ,汔可小息。 惠此京師,以綏四國。 無縱詭隨,以謹罔極。 式遏寇虐,無俾作慝。 敬慎威儀,以近有德。 民亦勞止 ,汔可小愒。 惠此中國,俾民憂泄。 無縱詭隨,以謹醜厲。 式遏寇虐,無俾正敗。 戎雖小子,而式弘大。 民亦勞止,汔可小安。 惠此中國,國無有殘。 無縱詭隨,以謹繾綣。 式遏寇虐,無俾正反。 王欲玉女,是用大諫。
An den Begünstigten Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 213f.
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 21.
Erleichtert sei des Volkes Last, Denn es erliegt das Volk ja fast. In deiner Näh' theil' Sehen aus Und spend' ihn bis ins fernste Haus. Die Reichsverderber, Schmeichlerschaar, Die rotte aus mit Haut und Haar; Da, was du willst, ja muß geschehn, So lass' uns deine Macht auch sehn! Erhöret sei des Volkes Beschwer, Da doch gerecht ist sein Begehr. Daß Wohlstand reife in der Stadt, Das Land entfalte Blüth und Blatt, O scheuche die Schmarotzer fort, Die zehrend gehn von Ort zu Ort; Du bist begünstigt ja vom Glück, So strahl' es auch auf uns zurück! Das Volk Erleichterung verlangt, Es ist wohl lang genug bedrangt. Die Braven sammeln im Verein, Und die Verruchten all' zerstreun, Den Trotzigen gebiete Halt, Die immer streben nach Gewalt, Dazu brauchst du zu winken nur, Zeig', daß du gehst die rechte Spur! Es sei das Volk erleichtert nun, Worauf so viele Bürden ruhn. Wahr' dir die Treuen, thut es noth, Und sich're den, der ist bedroht, Der letzte Räuber sei gefällt, Und von Gewürme rein das Feld, Zwar bist du noch ein junger Fant, Doch stark ist dazu deine Hand. Mach' doch dem Volk die Bürde leicht, Sonst ist sein Untergang erreicht. Laß nicht verdrehn das gute Recht, Und gut nicht heißen, was doch schlecht, O bänd'ge doch den Frevelmuth, Der gar so durstig ist nach Blut! Weil dir der Kaiser neigt sein Ohr, Drum hielt ich deine Pflicht dir vor.
Regierungs-Maxime Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 213.
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 21.
Diejenigen, die dir stehen fern, Die schütze gern, Und die dir nahe stehen, die halte kurz, So glänzt des Reiches Stern, Und du bewahrst es vor Schmach und Sturz.
An den Günstling Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 301f.
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258-260.
Das Volk, es ist gedrückt genung, Das Volk bedarf Erleichterung. Laß Segen deiner Näh entsprießen Und Wohltat in die Ferne fließen! Vernichte, die das Reich vergiften, Die Schmeichler, die das Unheil stiften, Bedenk, da, was du willst, du kannst, Wozu du deine Macht gewannst. Das Volk, es ist gedrückt genug, Erleichterung verlangt's mit Fug. Daß sich die Stadt des Wohlstands freue, Des Landes Blüte sich erneue, O wehre denen, die nur taugen Des Reiches Herzblut wegzusaugen. Dir ward vom Glück die Gunst zuteil, Gebrauche sie der Welt zum Heil! Erleichterung das Volk begehrt, Man hat es lang genug beschwert. Zu sammeln die zersprengten Treuen, Die Frevlerhorden zu zerstreuen, Die Übermütigen zu zäumen, Die nach Gewalt und Unheil schäumen, Genügt ein Wink von deiner Hand; Erkenne, was du bist imstand. Erleichterung das Volk bedarf, Auf das man schwer die Bürde warf, Die Treue, welche wankt, zu stützen, Bedrohtes Leben zu beschützen, Das Land von seinen frechen Räubern, Den Acker vom Gewürm zu säubern, Du bist ein Knabe nur gering, Doch du vermagst so großes Ding. Erleichtere des Volkes Last! Erlegen ist's, erlegen fast. Laß nicht das Recht in Unrecht wandeln, Die Bösen nach Belieben handeln; O laß nicht ihre Gier erfüllen Die Argen, die nach Blute brüllen! Da du dem Kaiser bist so wert, Hab ich dich deiner Pflicht belehrt.
Regierungs-Grundsatz Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 300.
— in: Mehlig, Johannes (ed.). Stimmen des Orients: Arabische, persische, indische und chinesische Dichtungen. Leipzig: Insel-Verlag, 1965. p. 258.
Lasse, die dir ferne stehn, Deinen Schutz empfinden, Und die nah dir sind, laß zügellos nicht gehn; So wird dir des Reiches Glanz nicht schwinden.
Mahnung an die Beamten in schlimmer Zeit Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 427f.
Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Um etwas leichter könnt's ihm sein. Thut Gutes dieser Landesmitte, Das wird dem Reiche Ruh' verleih'n. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das treibt die Schlechtgesinnten ein. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Die selbst das helle Licht nicht scheu'n. Seid mild den Fremden, helft den Nächsten, Dann wird des Königs Macht gedeih'n. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Um etwas helfen könnte man. Thut Gutes dieser Landesmitte, Das zieht das Volk an sie heran. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das thut's den wirren Schwätzern an. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Und löst dem Volk des Leidens Bann. Entziehet euch nicht euern Mühen, Daß Ruh' dem König werden kann. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Um etwas besser könnt' es steh'n. Thut Gutes diesem Königsitze, Dann wird das Reich auch Ruhe seh'n. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das wehrt den Übermüthigen. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Daß Schändlichkeiten nicht gescheh'n. Bewahrt ein würdiges Verhalten, Auf daß die Guten mit euch geh'n. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, – Etwas zu mildern wär' sein Loos. Thut Gutes dieser Landesmitte, Dann wird das Volk des Jammers los. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das stellt die argen Heuchler bloß. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Daß man das Recht nicht niederstoß'. Und seid ihr auch nur kleine Kinder, Ist euer Dienst doch hoch und groß. Und hat das Volk auch schwer zu tragen, Zu lindern wär's doch etwas mehr. Thut Gutes dieser Landesmitte, Das stellt das Land von Schäden her. Schont nicht der Schurken und der Kriecher, Das wehret dem Schmarotzerheer. Thut Einhalt Räubern und Bedrückern, Daß sich das Recht nicht ganz verkehr'. – Der König wünscht, ihr wär't Juwelen; Deßhalb ermahn' ich euch so sehr.