六月
Anonymous (Shijing)
六月棲棲,戎車既飭。 四牡騤騤,載是常服。 玁狁孔熾,我是用急。 王于出征,以匡王國。 比物四驪,閑之維則。 維此六月,既成我服。 我服既成,于三十里。 王于出征,以佐天子。 四牡脩廣,其大有顒。 薄伐玁狁,以奏膚公。 有嚴有翼,共武之服。 共武之服,以定王國。 玁狁匪茹,整居焦穫。 侵鎬及方,至于涇陽。 織文鳥章,白斾央央。 元戎十乘,以先啟行。 戎車既安,如輊如軒。 四牡既佶,既佶且閑。 薄伐玁狁,至于大原。 文武吉甫,萬邦為憲。 吉甫燕喜,既多受祉。 來歸自鎬,我行永久。 飲御諸友,炰鱉膾鯉。 侯誰在矣,張仲孝友。
Die kriegerischen Gäste Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 130f.
Zu säumen ist nicht Zeit im sechsten Mond, Die großen Wagen sind gerüstet schon; Ein neues Kleid ein jeder Krieger trägt, Die Viergespanne harren kampferregt. Hien-Yun, die Barbaren, rücken an, Der Kaiser ruft uns auf der Ehre Vahn, Und bald ist's um das wilde Volk gethan. Die mächt'gen Rosse blieben ungeschwächt, Wie Berge hoch, führt sie der Zaum doch recht. Mit den Hien-Yun war der Kampf nur kurz, Und bald gewahrten sie den tiefen Sturz. Die beste Mannszucht hielten wir im Krieg, Und manche Beute brachte uns der Sieg, Und wahrlich nicht des Reiches Ehre schwieg. Mit blindem Wüthen brachen die Hien-Yun In Tsiao-Hu ein, verwüstend Hao-Fang, Und kamen niedersengend bis King-Yang; Doch wir erhoben unsre Fahnen nun, Worin sie die gemalten Vögel sehn, Zehn erzbeschlagne Wagen vorwärts gehn, Da ist es um das wilde Volk geschehn. Ki-Fu, der Feldherr, führt uns in den Sieg, Noch immer hat er uns geführt zum Krieg; In Kriegs- und Friedenszeiten wohl geschickt, Die Reichesehre man in ihm erblickt. Die Horde der Barbaren jagten wir, Und nun in Tai-Yuen sitzen hier, Uns wohlzuthun und auszuruh'n dafür. Ki-Fu, der Feldherr, sitzt beim Male heut, Und sieht, wie sich sein Heer beim Schmause freut. Lang' ist's, seit uns die Freunde scheiden sahn, Jetzt biethen sie das Glas uns gastlich an. Schildkrötenfleisch und Fische auf dem Rost Bereitet, schmausen wir, für solche Kost Sei Dank gesagt Tschang-Tschong, der sie freigebig beut!
Die kriegerischen Gäste Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 187f.
Im sechsten Mond ist keine Zeit zu feyern, Die großen Wagen sind gesetzt in Stand; Die Viergespanne fliegen gleich den Geyern, Und alle Krieger tragen neu Gewand. Getobt hat das Barbarenvolk Hien-Yun; Zu ihnen sendet uns der Kaiser nun; Beschwichtigt werden sie auf lange ruhn. Der starken Rosse Kraft schnaubt ungedämpfet, Wie Berge groß, gehorsam doch dem Zaum. Mit den Hien-Yun ward eine Zeit gekämpfet, Und die Empörung starb geboren kaum. Wir haben wohlbewahrt die Kriegeszucht, Davon getragen reiche Siegesfrucht, Befestiget des Reiches Ehrenwucht. Es brachen die Hien-Yun mit wildem Toben Ein in Tsiao-Hu, und legten wüst Hao-Fang, Gedrungen sind sie sengend bis King-Yang; Doch unsre Fahnen haben sich erhoben, Worin sie die gemahlten Vögel sahn. Zehn erzbeschlagne Wagen gehn voran, Die brechen für das ganze Heer die Bahn. Ki-Fu, der Feldherr, hat geführt die Schaaren, Er führt sie immer nur zum Sieg allein; In Kriegs-und Friedenswissenschaft erfahren, Er ist des ganzen Reiches Ehrenschein. Besiegt ist das Barbarenvolk Hien-Yun, Und nach Tai-Yuen gezogen sind wird nun, Um nach gethanem Kampfwerk auszuruhn. Ki-Fu, der Feldherr, sitzt beim frohen Mahle, Er strahlt vor Lust sein schmausend Heer zu sehn. Lang' ists seit hier uns sahn die Freunde gehn, Jetzt reichen sie zum Willkomm uns die Schale. Geröstet wird Schildkrötenfleisch aufs beste, Und edler Fisch. Dank sey dem Herrn vom Feste, Tschanhg-Tschong, der wohl bewirthet seine Gäste!
Der siegreiche Feldzug gegen die Hian-jün unter dem Feldherrn Ki-fu Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 283f.
Im sechsten Mond war heißer Drang. Streitwagen waren schon im Stande, Manch Spann von Hengsten stampft' und sprang, Gepackt war Rüstung sammt Gewande. Die Kian-jün waren wild entflammt, Und wir drum in der Teile Brande. Der König schickt' in's Feld das Heer, Um zu befrei'n des Königs Lande. Gleichkräftig waren je vier Rappen, Geschult, wie es zu Maße steht. Schon war in jenem sechsten Monde Bestellet unser Kriegsgeräth. Als unser Kriegsgeräth bestellt, Galt's dreißig Feldwegs täglich schreiten. Der König schickt' ein Heer in's Feld, Um für den Himmelssohn zu streiten. Die Hengstgespanne, lang und stark, Mit hoch erhobnen Häuptern gingen. So brach man auf die Kian-jün ein, Um große Thaten zu vollbringen. Man war gestreng, man war gewandt, Und that den Dienst mit tapfrer Hand; Man that den Dienst mit tapfrer Hand, Um zu befrei'n des Königs Land. Die Kian-jün hatten unbedacht Sich Triao und Huo zu Herrn gemacht Und überwältigt Hao und Fang Des Kingstroms Nordgestad' entlang, Als man das Vogelbanner schwang, Und weiße Bänder wallten lang, Und zehn gewalt'ge Kriegswagen, Voran, eröffneten den Gang. Fest zeigten sich die Kriegswagen, Man sah sie vorn wie hinten ragen. Die Hengstgespanne waren stark, Stark und geschult für alle Lagen. Geworfen ward das Hian-jün-Volk, Bis nach Thai-juän zurückgeschlagen. Für alle Land' ein Vorbild ist Ki-fu in Kriegs und Friedens Tagen. Nun schmaußt Ki-fu in Fröhlichkeit; Ein großes Glück war ihm bereit. Er ist zurückgekehrt von Hao, Und unser Marsch war lang und weit. Er lud die Freund' auf Essenszeit Zu Schildkrötenbraten, Karpfenschneidt; Und wer ist drinnen nun bei ihm? – Tschang-tschung voll Sohnes Zärtlichkeit.