烈祖
Anonymous (Shijing)
嗟嗟烈祖,有秩斯祜。
申錫無疆,及爾斯所。
既載清酤,賚我思成。
亦有和羹,既戒既平。
鬷假無言,時靡有爭。
綏我眉壽,黃耉無疆。
約軧錯衡,八鸞鶬鶬。
以假以享,我受命溥。
將自天降康,豐年穰穰。
來假來饗,降福無疆。
顧予烝嘗,湯孫之將。
Ahnenfeier des Fürstenhauses Schang, 2. "Du, dessen Glück ohn' Gränzen ist" Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 254f.
Du, dessen Glück ohn' Gränzen ist,
Fortdauernd auch zu jeder Frist,
Von deinem übergroßen Heil
Ward mir auch selbst ein Strom zu Theil.
Ich gieße reinen Opferwein,
Da wird es hell wie Frühlingsschein
In meines Herzens Heiligthum,
Ich seh' das Bild vom Ahnenruhm.
Die einst geschmückt den Erdenthron,
Nun thronend mit des Himmels Lohn,
Der Väter bleib' ich eingedenk,
Sie lohnen mir mein fromm Geschenk.
Die Wagen tönend hell und bunt,
Sie machen mir die Gäste kund,
Die gerne dienend mich umstehn,
Mit mir das Ahnenfest begehn.
Da strömt des Himmels Huld herab,
Die nimmer so freigebig gab,
Und Erndtesegen überreich
Verleiht mir Glück und Lust zugleich.
Ihr Ahnen, blicket gnädiglich
Auf euren Enkel her, auf mich!
Der ich vom Kaiser Tsching-Tang bin
Ein Sproß', euch ehrend immerhin.
Ahnenfeier des Fürstenhauses Schang, 2. "Sel'ger, dessen Glück von keinen Zeiten" Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 359f.
Sel'ger, dessen Glück von keinen Zeiten,
Keinen Grenzen ist umschlossen!
Von der Fülle der Glückseligkeiten
Kommt mir selbst ein Strom geflossen.
Reinen Wein zur Spende darf ich gießen,
Und als wie vom Thau die Blume
Fühl' ich mir ein Bild im Herzen sprießen
Von der hohen Ahnherrn Ruhme.
Die einst auf der Erde Thron gesessen,
Wie sie jetzt im Himmel thronen,
Meine Väter will ich nicht vergessen,
Die dafür mir jetzt noch lohnen.
Wagen, bunt von Farben, laut von Klingeln,
Tragen mir heran die Gäste,
Die mit Dienstbeflissenheit umzingeln
Mich bei dem Gedächtnißfeste.
Und die Gunst des Himmels niederträufet
Allfreigebig überschwänglich,
Hoher Erntesegen ist gehäufet,
Glück und Wohlstand unvergänglich.
Mögen auf den Enkel, ihren Preiser,
Her die Ahnen schaun gewogen!
Ich ein Sproße von Tsching-Tang dem Kaiser
Habe fromm den Brauch vollzogen.
Gleichfalls beim Ahnenopfer für König Thang Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 512.
O, o der hocherlauchte Ahn,
Von dem wir Segen stets empfahn!
Er schenkt ihn wieder unbegränzt,
Und will an diesem Ort dir nahn.
Der klare Wein ist eingeschenkt,
Der Aussicht unser'm Hoffen leiht;
Auch giebt es wolgemischte Brühe,
Schon zugerichtet, schon bereit.
Wir laden wortlos ihn, zu nahn;
Hier giebt es keine Streitigkeit.
Er segnet uns mit greisen Brauen,
Mit grauem Alter, unbegränzt.
Mit Nabenband und Jochschmuck fein,
Mit Klingeln der acht Glöckelein,
So treffen sie zum Opfer ein.
Das hohe mächt'ge Amt sollt' unser sein.
Der Himmel sandte Frieden drein
Und reiche Jahre voll Gedeih'n.
Er kommt, er nimmt die Opferweih'n,
Um endlos Segen zu verleih'n.
Sei uns'rer Opfer denn gedacht,
Von Thang's Nachkommen dargebracht!