將仲子
Anonymous (Shijing)
將仲子兮 ,無踰我里,無折我樹杞。 豈敢愛之,畏我父母。 仲可懷也,父母之言,亦可畏也。 將仲子兮 ,無踰我牆,無折我樹桑。 豈敢愛之,畏我諸兄。 仲可懷也,諸兄之言,亦可畏也。 將仲子兮,無踰我園,無折我樹檀。 豈敢愛之,畏人之多言。 仲可懷也,人之多言,亦可畏也。
Brief eines Mädchens Max Fleischer (1880–1942)
— in: Fleischer, Max. Der Porzellanpavillon. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Berlin, Wien, Leipzig: Paul Zsolnay Verlag, 1927. p. 89f.
— in: Braun, Felix. Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 1952. p. 22.
Geliebter! Komm nicht mehr durchs Dorf geritten. Steig niemals wieder – laß, o laß dich bitten! – auf unsere Weide! Sieh, es kann nicht sein: Ich darf mich Dir, du Einziger, nicht weihn. Denk, meine Mutter ist so lieb und treu, schau: so verhärmt sind meines Vaters Züge. Geh, meide mich, daß ich mich willig füge! Es wird mir schwer genug. Glaub mir, Tschong-Tseu! Auch auf der Mauer laß dich nicht mehr blicken! Du könntest unser Maulbeerbäumchen knicken. Ich pflanzt es selber, möcht dirs nie verzeihn. O Gott, wie gerne, gerne wäre ich dein! Zuhause ist man streng. Ich bin so scheu und mag nicht meine ernsten Brüder kränken und füge mich und kann mich dir nicht schenken, wie sehr es mich verlangt. Glaub mir, Tschong-Tseu! Noch dieses! Rüttle nicht mehr an dem Gitter des Gartens. Meine Seligkeit, ich zitter, daß du das Sandelbäumchen umbrichst. Nein, mein Herzgeliebter, nein! Es kann nicht sein. Ich bin nicht, die ich war, mir selber neu. Die Leute, du! Ich schäme mich, ich schäme mich so, daß ich in ihr Gerede käme, und doch verbrenn ich fast. Glaub mir, Tschong-Tseu!
Brich nicht durch meine Weiden Conrad Haußmann (1857–1922)
— in: Haußmann, Conrad. "Im Tau der Orchideen" und andere chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. München: Albert Langen, Verlag für Literatur und Kunst, 1908. p. 12.
— in: Goldscheider, Ludwig (ed.). Die schönsten Gedichte der Weltliteratur. Ein Hausbuch der Weltlyrik von den Anfängen bis heute. Wien, Leipzig: Phaidon-Verlag, 1933. p. 57.
Brich nicht durch meine Weiden In unser Dorf herein. Tschong-Tseu, du mußt mich meiden, Denn sieh, es darf nicht sein. Ach, wenn nur eins nicht wäre, Ich bin voll Scham und Scheu, Weil ich die Eltern ehre, Sonst, o wie gern, Tschong-Tseu. Tschong-Tseu, und übersteige Des Hofes Mauer nicht, Des Maulbeerbaums Gezweige – Ich pflanzt ihn selber – bricht. Ich gäbe Frucht und Blüten, Doch schau, wie streng und treu Die Brüder mich gehüten, Sonst, o wie gern, Tschong-Tseu. Tschong-Tseu, reiß nicht am Zaune, Weil du ihn sonst zerdrückst, Und – höre, was ich raune – Mein Sandelbäumchen knickt. Es fängt schon an zu düstern, Ach Gott, die Angst und Reu, Die Leute und ihr Flüstern, Sonst, o wie gern, Tschong-Tseu!