候人
Anonymous (Shijing)
彼候人兮,何戈與祋。
彼其之子,三百赤芾。
維鵜在梁,不濡其翼。
彼其之子,不稱其服。
維鵜在梁,不濡其咮。
彼其之子,不遂其媾。
薈兮蔚兮,南山朝隮。
婉兮孌兮,季女斯飢。
An die Vergünstigten Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 107f.
Der Pelikan am Teiche wohnt,
Kein Wasser nimmt sein Flügel an.
Wie unverdient ihr seid belohnt,
Euch nichts zufrieden stellen kann.
Am Teiche wohnt der Pelikan,
Sein harter Schnabel nicht erweicht.
Ihr weidet ab allein den Plan,
Wenn Hunger rechte Leut' beschleicht.
An die Günstlinge Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 153.
Am Teiche wohnt der Pelikan,
Sein Flügel nimmt kein Wasser an.
Ihr seid nicht mit dem Glück zufrieden,
Das unverdient euch ist beschieden.
Der Pelikan wohnt an dem Teich,
Sein harter Schnabel wird nicht weich.
Ihr habt die Füll' allein zu weiden,
Weil hübsche Leute Hunger leiden.
Die Menge unwürdiger Hofdiener Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 235.
O diese Hofgeleitsherrn da,
Und ihre Spieß und Lanzenpfleger!
Dergleichen Leute sind es nun –
Dreihundert Scharlachschürzenträger!
Wohl sitzt der Pelikan am Deich,
Doch nicht die Flügel mag er netzen.
Dergleichen Leute sind es nun –
Nicht ihrer Kleider werth zu schätzen.
Wohl sitzt der Pelikan am Deich,
Doch nicht den Schnabel mag er nässen.
Dergleichen Leute es nun –
Nicht ihren Gunsten angemessen.
Und wie das wuchert! wie das schwillt!
Frühnebel auf des Südbergs Weiden! –
Die holde, ach, die schöne, ach,
Die zarte Maid muß Hunger leiden!