Not determined 未定
by Liu Yong 柳永 (ca. 990–ca. 1050)
Translations
1-
Richard Wilhelm (1873–1930): Beim Wein
Display translation
An den Fenstern die gestickten Seidenstoffe hängen nieder. Und im hohen Bildersaale Sitz ich einsam da und kalt. Draußen pfeift der Wind, am Himmel Treiben weit und breit die trüben Grauen. Nebelwolkenmassen Immer finsterer geballt. Und nun schneit es. Die Kristalle Zart wie sechsgeteilte Blüten Wirbeln tanzend durcheinander In der leeren Dunkelheit. Heut hat wohl der Wolkenvater Göttergäste eingeladen Und streut Perlenedelsteine Blitzend in dem Saal umher. Und die Wälder und die Berge Hoch und niedrig, fern und nahe, Alle sind sie weiß wie Perlen Oder köstlicher Nephrit. Sicher war's an solchem Tage, Daß der weltenmüde Weise, Von dem Fischfang heimwärts kehrend, Seine Spur verwehen ließ. Oder daß im kalten Norden An dem fernen Schwalbenberge Jener Hunnenüberwinder In die Kriegstrompete stieß. Kostbare Korallenschätze Fielen ihm zur reichen Beute, Da aus Schnee er trüglich baute Eine leere Silberstadt. Solche Zeit ist's auch gewesen, Als aus der verschneiten Hütte Man den Alten aufgestöbert – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Doch der Wein beginnt zu wirken. Auf dem Haupt die goldnen Nadeln Fühl ich wackeln schon und tanzen, Und der Krug liegt überquer. Nur noch eins: der Gott des Morgens Sandte jüngst die Blumenfee Mit geheimer Freudenbotschaft Nach des Südlands Gärten hin. – – – – – – – – – – – – – – – – – – – Und am Fluß die Mandelblüten Haben's nächtens ausgeplaudert, Daß der Frühling unterwegs.–
in: Wilhelm, Richard. Chinesische Wintergedichte. Qingdao: ohne Verlag, 1920. p. 5-7. –
in: Wilhelm, Richard. Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Lieder und Gesänge. Jena: Eugen Diederichs, 1922. p. 79f.