未定
Liu Yong 柳永 (ca. 990–ca. 1050)
Beim Wein Richard Wilhelm (1873–1930)
— in: Wilhelm, Richard. Chinesische Wintergedichte. Qingdao: ohne Verlag, 1920. p. 5-7.
— in: Wilhelm, Richard. Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Lieder und Gesänge. Jena: Eugen Diederichs, 1922. p. 79f.
An den Fenstern die gestickten
Seidenstoffe hängen nieder.
Und im hohen Bildersaale
Sitz ich einsam da und kalt.
Draußen pfeift der Wind, am Himmel
Treiben weit und breit die trüben
Grauen. Nebelwolkenmassen
Immer finsterer geballt.
Und nun schneit es. Die Kristalle
Zart wie sechsgeteilte Blüten
Wirbeln tanzend durcheinander
In der leeren Dunkelheit.
Heut hat wohl der Wolkenvater
Göttergäste eingeladen
Und streut Perlenedelsteine
Blitzend in dem Saal umher.
Und die Wälder und die Berge
Hoch und niedrig, fern und nahe,
Alle sind sie weiß wie Perlen
Oder köstlicher Nephrit.
Sicher war's an solchem Tage,
Daß der weltenmüde Weise,
Von dem Fischfang heimwärts kehrend,
Seine Spur verwehen ließ.
Oder daß im kalten Norden
An dem fernen Schwalbenberge
Jener Hunnenüberwinder
In die Kriegstrompete stieß.
Kostbare Korallenschätze
Fielen ihm zur reichen Beute,
Da aus Schnee er trüglich baute
Eine leere Silberstadt.
Solche Zeit ist's auch gewesen,
Als aus der verschneiten Hütte
Man den Alten aufgestöbert – –
– – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Doch der Wein beginnt zu wirken.
Auf dem Haupt die goldnen Nadeln
Fühl ich wackeln schon und tanzen,
Und der Krug liegt überquer.
Nur noch eins: der Gott des Morgens
Sandte jüngst die Blumenfee
Mit geheimer Freudenbotschaft
Nach des Südlands Gärten hin.
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Und am Fluß die Mandelblüten
Haben's nächtens ausgeplaudert,
Daß der Frühling unterwegs.
— in: Wilhelm, Richard. Chinesisch-Deutsche Jahres- und Tageszeiten. Lieder und Gesänge. Jena: Eugen Diederichs, 1922. p. 79f.