Gong liu 公劉

by Anonymous (Shijing)

Dynasty: Zhou 周 (1045 BC–256 BC)

Included in: Ruan Yuan 阮元 (ed.). Mao shi zheng yi 毛詩正義, Shi san jing zhu shu 十三經注疏 2. Taipei: Yee Wen Publishing Co., Ltd., 2001. 616-622.

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  • Johann Cramer : Das Lied von Kong-Liu
    O Fürst, wie unser Kong-Liu lebte, lebe, Nur immer thätig, müßig war er nie; Nie sah man schwelgen ihn in Ueppigkeit, Nur stets besorgt für seines Landes Flor. Den Pfeil und Bogen um die Schulter warf er, Und nahm den Speer und auch den Schild zur Hand, Um sich nach jeder Wohnung umzusehn. Und Kong-Liu sah die weiten Länderstrecken Mit glücklichen Bewohnern angefüllt, In Thälern er unzähl'ge Menschen schaut, Und selbst die Berge waren angebaut. Ein schönes Kleinod hing an seiner Seite, Die Schärpe war's von Perl' und Edelstein, Dran hing ein Schwert, die Scheide goldbeschlagen, Es glänzte hell im ganzen Land umher. Und Kong-Liu eilte zu den hundert Bronnen, Wo sich zusammenfand ein Menschenmeer, Sie wollten all' im Fürstenstrahl sich sonnen, Und auch vernehmen ihres Fürsten Wort. Und Häuser, Hütten, Ställe lehrt' er bauen, Bereiten aus Getreide manchen Trank Zum heitern Mahl und auch zum Opferdank. Er lehrte Gutes sie und Nützliches, Und hellte auf die Zweifel ihres Geistes. Er saß auf hohem Berg und blickte froh Ins Friedensland hinab, und weil kein Feind War zu besiegen, theilt' er in zwei Schaaren Sein mächtig Heer und sandt' es auf die Jagd. Die Leut' im Hofe waren guter Dinge, Sie lebten frei und froh wie Fisch' im Teich', Man brachte Wild und zahmes Vieh zum Schmaus, Den Kürbis höhlt' er selbst zu Flaschen aus. Die Fluren wurden eingehegt in Gränzen, Und hocherfreut sah er von seinem Berg, Wie ein'ge Länder mehr im Schatten lagen, Und wieder andre mehr im Sonnenschein, Wie ein'ge trock'ner waren, andre mehr Bewässert; darum gab er ein Gesetz, Wie viel ein jeder Boden mußte tragen. Von jeglichem Besitzthum hieß er dann Auch einen Theil abgeben für das Ganze. Neun Felder machten immer einen Gau, Und hundert Morgen groß das Feld genau. Die Steuer, die er von den Feldern nahm, Stets von dem mittelsten der neune kam; Ein jeder fuhr dann ein in seine Scheune, Was er für seinen Theil gebauet an, Doch Alle an dem mittelsten der neune Zu bauen hieß sein fürstlicher Befehl. So war gesorgt für jeden und den Staat; Und Kong-Liu sah den Anbau sich vermehren. Und Brücken ließ er baun und Wege breiten, Ließ Steine haun und ließ nach Eisen graben. Da kam Bevölkerung von allen Seiten, Und blieb am Bache Ko, am Bache Hoang, Und zog an Jui, den großen Fluß, entlang.

    in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 208-210.
    in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 41f.
  • Friedrich Rückert (1788–1866): Das Lied von Kong-Liu
    Leb', o Fürst, wie unser Kong-Liu lebte, Welcher Müh' und Arbeit nicht geschont; Nicht in Ruhe schwelgt' er, sondern strebte, Daß bebaut das Land sey und bewohnt. Mit dem Pfeil gerüstet und dem Bogen, Mit dem Speer gewaffnet und dem Schild, Ist er für des Landes Wohl gezogen, Zu beschauen jedes Wohngefild. Unser Kong-Liu sah die weiten Ebnen Mit Bewohnersaaten übersät, Die zufrieden ihrem Loos ergeben Lebten froh der Arbeit früh und spät. Auf die Berge stieg er, und es fehlte Ihrer Hochfläch' an Bebauern nicht; In die Thäler blickt' er, und wer zählte In den Thälern die Bevölk'rung dicht! Was trug an der Seit' er für Geschmeide? Ein Gehäng von Perl' und Edelstein, Dran ein Schwert in goldbeschlagner Scheide, Rings im Lande gab es hellen Schein. Kong-Liu kam zum Ort der hundert Bronnen, Wo ein Menschenstrom zusammen floß, An dem Glanz des Fürsten sich zu sonnen, Dessen Unterricht das Volk genoß. Häuser, Hütten, lehret' er sie bauen, Ställ' und Hürden für des Viehes Drang; Aus Getraide lehrt' er Tränke brauen, Opferspend', und Gästen zum Empfang. Alles Gute, Nützliche und Rechte Lernten Menschen, alle Sitt' und Pflicht; Und dem lehrbegierigen Geschlechte Gab sein Wort in allen Zweifeln Licht. Unser Kong-Liu saß auf hohem Hügel, Blickte froh in's friedenstille Land; Seine Heerschaar theilt' er in zwei Flügel, Ließ sie jagen, weil kein Krieg sich fand. Seine Hofleut' hatten wie die Fische Frohen Spielraum, ungetrübte Zeit. Sorgenfrey sich stemmend auf die Tische, Zechten sie in Lust und Herrlichkeit. Jäger lieferten das Wild aus Wäldern, Hirten zahmes Vieh zu seinem Schmaus, Und den Kürbis auch aus ihren Feldern, Den er hölt' und machte Flaschen draus. Als sich weiterhin ausgebreitet hatten Seine Fluren, wurden abgesteckt Ihre Grenzen, und am Sonnenschatten Wurden Himmelsgegenden entdeckt. Kong-Liu sah von seinem Hügel wonnig, Sah die Länderey'n, nicht alle gleich, Ein'ge schattiger, die andern sonnig, Ein'ge trockner, andre wasserreich. Das Gesetz gab er des Ackerbaues, Was ein jeder Boden tragen soll. Dann bestimmt' er vom Ertrag des Gaues Einen Theil dem öffentlichen Zoll. In neun Fluren war ein Gau zerschnitten, Deren jede hundert Morgen hielt; Von der einen in der neune Mitten Ward der öffentliche Zoll erzielt. Jeder führt in seine eigne Scheune Was der Theil trug, den er baut für sich; Aber an dem mittelsten der neune Müssen alle baun gemeinschaftlich. Also war verbunden und geschieden Eignes Gut und öffentlicher Schatz. Kong-Liu sah vom Hügel, wie in Frieden Fort der Anbau wuchs von Platz zu Platz. Ueber Ströme ließ er Brücken bauen, Und die Wege wurden breit gemacht; Aus dem Steinbruch ließ er Steine hauen, Eisen ließ er graben aus dem Schacht. Herrlich war Bevölkerung angeflogen An dem Bache Ko, am Bache Hoang; Und als wunderbar das Volk wuchs, zogen Auch Bewohner Jui, den Fluß, entlang.

    in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 292-295.
  • Victor von Strauß (1809–1899): Fürst Lieu
    Der edle Fürst Lieu - Nicht rasten mocht' er und nicht weilen; Er mußte messen, Land vertheilen, Einernten, schobern Garbenzeilen, Dörrfleisch und Kornfrucht ohne Weilen In Beutel und in Säcke peilen. Durch Einung wollt' er Ruhm ertheilen. Bewehrt mit Bogen und mit Pfeilen, Mit Schilden, Speeren, Äxten, Beilen, Macht' er sich fertig, fortzueilen. Der edle Fürst Lieu - Er übersah das flache Land; Da er's zu voll, zu zahlreich fand, Entschloß er sich und that's bekannt. Das Seufzen war nicht von Bestand. Auf stieg er zur der Gipfel Rand, Stieg wieder ab in's flache Land; Was hatt' er an dem Gürtel da? Nephrit und edle Steine werth, Und in besteinter Scheid' ein Schwert. Der edle Fürst Lieu - Ging zu der hundert Quellen Strand, Und schaut' in's weite flache Land; Erstieg den Berg gen Süden dann Und schaute sich das Hochland an. Das Hochland paßte für das Heer; Dort blieb er und dort wohnet' er, Dort stellt' er Fremden Obdach her, Dort sprach er seine Sprüche aus, Dort hielt er Rath Berathender. Der edle Fürst Lieu - Als er im Hochland konnte ruh'n, Ließ er den Wackern, Würd'gen nun Rohrmatten hin und Sessel thun, Darauf zu sitzen und zu ruh'n. Er ging zu seinem Pferch hinein, Holt' aus den Kürbisflaschen Wein, Und speiste sie und tränkte sie, Beherrschte sie und lenkte sie. Der edle Fürst Lieu - Als er's besaß in Läng' und Breite, Hielt Richtschau, trat auf Bergesweite, Verglich die Licht- und Schattenseite, Und nahm den Lauf der Quellen wahr. Dreifältig theilt' er seine Schaar, Maß ihr die Marsch, das Flachland dar; Bestimmte Zins vom Ackerland, Maß dar der Berge Abendwand, Und Pin ward groß an Wohnbestand. Der edle Fürst Lieu - Nach Pin gelangt in Fremdlings Weisen, Thät' über'n Wei mit Fähren reisen, Und holte Schleifstein, holte Eisen. Besiedelt, ordnet' er das Land; Da wuchs das Volk und sein Bestand, Das ganze Hoang-Thal füllt' es aus, Bis in das Ko-Thal drang's hinaus, Und als zu dicht die Meng' auch dort, Ging's nach des Sjui Gestaden fort.

    in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 420-422.
  • Peter Weber-Schäfer (1935–2019): Die Legenden der Fürsten von Chou, 3. "Herzog Liu"
    in: Weber-Schäfer, Peter. Altchinesische Hymnen aus dem 'Buch der Lieder' und den 'Gesängen von Ch'u'. Köln: Verlag Jakob Hegner, 1967. p. 103-105.

篤公劉,匪居匪康,迺場迺疆,迺積迺倉。 迺裹餱糧,于橐于囊,思輯用光。 弓矢斯張,干戈戚揚,爰方啟行。 篤公劉,于胥斯原,既庶既繁。 既順迺宣,而無永歎。 陟則在巘,復降在原。 何以舟之,維玉及瑤,鞞琫容刀。 篤公劉,逝彼百泉,瞻彼溥原。 迺陟南岡,乃覯于京。 京師之野,于時處處,于時廬旅,于時言言,于時語語。 篤公劉,于京斯依。 蹌蹌濟濟,俾筵俾几。 既登乃依,乃造其曹。 執豕于牢,酌之用匏。 食之飲之,君之宗之。 篤公劉,既溥既長,既景迺岡。 相其陰陽,觀其流泉。 其軍三單,度其隰原。 徹田為糧,度其夕陽,豳居允荒。 篤公劉,于豳斯館。 涉渭為亂,取厲取鍛。 止基迺理,爰眾爰有。 夾其皇澗,遡其過澗。 止旅乃密,芮鞫之即。