靈臺
Anonymous (Shijing)
經始靈臺,經之營之。
庶民攻之,不日成之。
經始勿亟,庶民子來。
王在靈囿,麀鹿攸伏。
麀鹿濯濯,白鳥翯翯。
王在靈沼,於牣魚躍。
虡業維樅,賁鼓維鏞。
於論鼓鍾,於樂辟辟廱。
於論鼓鍾,於樂辟廱。
鼉鼓逢逢,矇瞍奏公。
Die Ruhe Wen-Wang's Johann Cramer
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 35f.
Wen-Wang, der starke Fürst,
Erfreut sich hochvergnügt
Im Walde von Lin-Yo
An schlanken zahmen Rehen,
Die weiss wie Schnee erglänzen.
Nicht vor den Menschen flüchten,
Und spielend sich im Wald ergehn.
Auch freut mit seinem Lied
Im Walde von Lin-Yo
Wol mancher Vogel traut
Wen-Wang, den starken Fürsten.
Der lässt, um zu erfreuen
Die Vögel, Futter streuen,
Die danken ihm mit Liedern laut.
Im Walde von Lin-Yo
Da sieht der starke Fürst
Wen-Wang beim Abendschein
Wol in dem grossen Teiche
Die goldnen Fische spielen;
Sein Hofstaat thut das Gleiche,
Mit heiteren Gefühlen
Im Schlosse sich zu freu'n.
Wen-Wangs Ruhe Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 282.
Der mächt'ge Fürst Wen-Wang
Im Waldgeheg Lin-Yo
Sieht an vergnügt und froh
Der zahmen Rehe Gang,
Die nicht der Menschen Anblick scheuen,
Und sich zusammen spielend freuen,
Weißglänzend sich durch's Waldgebüsch zerstreuen.
Im Waldgeheg Lin-Yo
Den mächt'gen Fürst Wen-Wang
Freut manches Vogels Sang,
Der kirr und keck nicht floh;
Sie picken in den Laubgebäuen
Die Körner, die er lässet streuen,
Und wollen singend ihren Dank erneuen.
Der mächt'ge Fürst Wen-Wang
Im Waldgeheg Lin-Yo,
Am Abend geht er so
Den Weiher froh entlang,
Wo in den rothbeglänzten Bläuen
Sich goldne Fische spielend freuen,
Wie im Palast der Hofstaat seiner Treuen.
Die prächtigen Bauten und Anlagen des Königs Wen Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 406.
Als er den Wunderthurm ersonnen,
Ersonnen und den Plan gemacht,
Hat alles Volk sich dran begeben;
Kein Tag – und Alles war vollbracht.
Anhub er mit: "Nicht hastet euch!"
Doch alles Volk kam, Kindern gleich.
Im Wunderpark der König war,
Wo Hirsche ruhten Paar bei Paar,
Gar fette Hirsche, glatt von Haar,
Und weiße Vögel glänzten klar.
Der König war am Wunderteiche;
Wie wimmelte der Fische Schaar!
Am bunten Rechen über Stangen
Sah Pauken man und Glocken hangen.
Wie Pauk' und Glock' harmonisch klangen!
Wie froh vom Inselsaal empfangen!
Wie Pauk' und Glock' harmonisch klangen,
Wie froh vom Inselssal empfangen,
Wenn Kläng' aus Eidechspauken drangen,
Die Blinden spielten nach Verlangen!
Das Wunderschloß des Königs Wen Richard Wilhelm (1873–1930)
— in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 233.
Begonnen ward das Wunderschloß,
Begonnen und geplant,
Das Volk macht eifrig sich dran,
Im Nu es fertig stand.
Der König sprach: "Laßt euch hübsch Zeit!"
Dem Vater stand sein Volk bereit.
Der König steht im Wunderpark,
Dort ruht manch schmuckes Reh,
So zahme Rehe, schön und glatt,
Und weißer Vögel Schnee.
Der König steht am Wundersee,
Die Fische wimmeln in die Höh.
Am bunt bemalten Glockenspiel
Die Glocken hängen schon
Und Glock und Trommeln klingen all
Beim Inselpavillon.
Dumpf dröhnt die große Pauke dazu.
Die Spielleute gönnen sich keine Ruh.