江有汜
Anonymous (Shijing)
江有汜,之子歸,不我以。
不我以,其後也悔。
江有渚,之子歸,不我與。
不我與,其後也處。
江有沱,之子歸,不我過。
不我過,其嘯也歌。
Abschied der Diener Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 18.
Ki[a]ng, der Fluß, der geht getheilt
Zweiarmig und wird schwach,
Doch wieder denkt er: besser wars,
Und kehrt ins alte Bett.
So theilte unsre Herrin auch
Nun ihren Sinn und will
Nicht unsrer Dienste mehr.
Es sei, es sei!
Es reut sie wohl noch sehr!
Kiang, der Fluß, hat sich getheilt,
Die Insel that's ihm an,
Doch an der Inselspitze kam
Er wieder zu sich selbst.
So zog die edle Jungfrau auch
Ihr Festgeschmeide an,
Hat nichts nach uns gefragt.
Es sei, sei!
Sie hat's wohl bald beklagt!
Kiang, der Fluß, sein Wasser theilt.
Sie ist noch gar so jung,
Und liebt die neue Dienerschaft
Und denket nicht an uns.
Nun über Berg und Thal sie zieht
Im schönsten Sonnenschein
Und singt ein muntres Lied;
An einem tag, o weh!
Singt sie nicht mehr juche!
Die verabschiedete Dienerin Ernst Meier (1813–1866)
— in: Meier, Ernst. Morgenländische Anthologie. Klassische Dichtungen aus der sinesischen, indischen, persischen und hebräischen Literatur. Leipzig: Verlag des Bibliographischen Instituts, 1875. p. 16.
Kiang der Fluß hat seine Arme:
Diese edle Jungfrau freit,
Will nicht ferner meine Dienste;
Doch gib acht, ob sie's nicht reut!
Kiang der Fluß hat seine Inseln:
Unsre edle Jungfrau freit,
Läßt mich, läßt mich hier zurücke;
Ob sie's später nicht bereut?
Kiang der Fluß theilt seine Wasser:
Uns're Braut zieht zum Gemahl,
Ruft mich nicht, mit ihr zu ziehen;
Später seufzt sie wohl einmal.
Die verabschiedete Dienerschaft Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 31f.
Kiang der Fluß hat seinen Strom getheilet
In zwei Arme, bis er schwach geworden,
Er besinnt sich, sammelt unverweilet
Wieder sich in seinen alten Borden.
Unsere Gebieterinn
Hat getheilet ihren Sinn,
Will sich unsrer treuen
Dienste nicht mehr freuen;
Immerhin!
Immerhin!
Einst wird sie's gereuen.
Kiang der Fluß getheilt hat seine Wogen,
Eine Insel in den Arm genommen;
Wenn er um die Insel hergezogen,
Ist er wieder zu sich selbst gekommen.
Unsre edle Jungfrau hat
Angelegt den Hochzeitstaat,
Und dabei indessen
Ihr Gesind vergessen;
Ach zu spat,
Ach zu spat
Wird sie's recht ermessen.
Kiang der Fluß getheilt hat sein Gewässer.
Leicht von Sinn ist sie und jung von Jahren.
Neue Dienerschaft gefällt ihr besser,
Uns nicht ladet sie mit ihr zu fahren.
Wie sie fährt im Sonnenstral
Fröhlich über Berg und Thal,
Singt in hellen Tönen,
Kann sich leicht entwöhnen!
Doch einmal,
Doch einmal
Wird sie auch wol stöhnen.
Nachfolgende Reue Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 88.
Der Kiang gießt Arm' umher.
Da sich die Maid vermählte,
Brauchte sie uns nicht mehr.
Brauchte sie uns nicht mehr,
So kam doch Reue hinterher.
Der Kiang um Inseln tritt.
Da sich die Maid vermählte,
Brachte sie uns nicht mit.
Brachte sie uns nicht mit,
Stockte doch hinterher ihr Schritt.
Der Arm fließt heim zum Kiang.
Da sich die Maid vermählte,
Thaten wir nicht den Gang.
Thaten wir nicht den Gang,
Erathmete sie doch, – und sang.