皇矣
Anonymous (Shijing)
皇矣上帝,臨下有赫。
監觀四方,求民之莫。
維此二國,其政不獲。
維彼四國,爰究爰度。
上帝耆之,憎其式廓。
乃眷西顧,此維與宅。
作之屏之,其菑其翳。
脩之平之,其灌其栵。
啟之辟之,其檉其椐。
攘之剔之,其檿其柘。
帝遷明德,串夷載路。
天立厥配,受命既固。
帝省其山,柞棫斯拔,松柏斯兌。
帝作邦作對,自大伯王季。
維此王季,因心則友。
則友其兄,則篤其慶。
載錫之光,受祿無喪,奄有四方。
維此王季,帝度其心,貊其德音。
其德克明,克明克類,克長克君。
王此大邦,克順克比。
比于文王,其德靡悔。
既受帝祉,施于孫子。
帝謂文王,無然畔援,無然歆羨,誕先登于岸。
密人不恭,敢距大邦,侵阮徂共。
王赫斯怒,爰整其旅,以按徂旅,以篤于周祜,以對于天下。
依其在京,侵自阮疆。
陟我高岡。
無矢我陵,我陵我阿。
無飲我泉,我泉我池。
度其鮮原,居岐之陽,在渭之將,萬邦之方,下民之王。
帝謂文王:予懷明德,不大聲以色,不長夏以革,不識不知,順帝之則。
帝謂文王:詢爾仇方,同爾兄弟,以爾鉤援,與爾臨衝,以伐崇墉。
臨衝閑閑,崇墉言言。
執訊連連,攸馘安安。
是類是禡,是致是附,四方以無侮。
臨衝茀茀,崇墉仡仡。
是伐是肆,是絕是忽,四方以無拂。
Führung von Stufe zu Stufe Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 197-200.
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 34f.
Seht, es thront des Himmels Fürst so prächtig,
Auf die ganze Erde kann er sehn,
Ob die Völker sich der Ruhe freuen,
Gut die Hirten vor der Herde gehn.
Als den Sturz des Hauses Schang er merkte,
Blickt' er um sich hin auf alles Land,
Wem er wohl, dem Nebel abzuhelfen,
Gäb' dazu die Macht in weise Hand.
Und Tan-Fu ward von ihm ausersehen,
Ihm verliehen hat er Ehr' und Macht;
In ein neues Land hieß er ihn wandern,
Sein Geschlecht zu gründen dort bedacht.
Baumreich war das Land, wohin er kommen,
Und er that, wie ihm geheißen war;
Emsig ließ er alle Wege säubern,
Daß sie wurden dorrer Stämme baar.
Umhaun ließ er abgestorbne Bäume,
Und für junge Stämme Raum gewann,
Wo zu dicht sie in der Waldung standen,
Fing umsichtig er zu lichten an.
So hat er des Raumes wohl gewahret,
Nach Verhältniß und nach Zeit beschafft;
Kiu und Yü, Yen und Tsche die Bäume,
Stutzt und schnitt er, fördernd neue Kraft.
In dem Land, das er sich selbst geschaffen
Lebt er so mit seiner Gattin treu;
Als zum Himmel er geladen wurde,
War Geschlecht und Reich begründet neu.
Und es sah der höchste Herr der Welten
Nach den Bergen, nach den Wäldern hin,
Und er sah die Wege und die Felder,
Da beschloß er dies in seinem Sinn:
Hier in diesem Lande, wohlgeordnet,
Sollte heben sich das neue Reich;
Und zwei Brüder sah er vor sich stehen,
Auszuwählen unternahm er gleich.
Tan-Fu's Söhne Tai-Pe und Wang-Ki sind's;
Wang-Ki war ganz in Bescheidenheit
Unterthänig seinem ältern Bruder,
Drob der Herr ihm Wohlgefallen weiht.
Ueberschüttet hat er ihn mit Gnaden,
Seine Herrschaft hat er groß gemacht;
Weil ihn so erfüllt des Himmels Segen,
Ist zu dienen Jeder ihm bedacht.
Wang-Ki ist es, der als höchster Richter
Weisheit von dem höchsten Herrn empfing,
Der nicht stolz noch schwach ist, recht gestärket,
Höchsten Thrones würdig ohn' Beding.
Wenn er würd' des Reiches Thron besteigen,
Er, der alles wohlerwogen tut,
Würd' er auswärts sein ein starker Krieger,
Und im Innern herrschen mild und gut.
Doch noch war der Strom nicht angeschwollen
Zu dem höchsten Rand, er stieg noch mehr;
Wang-Ki hat zum Himmel sich erhoben,
Und Wen-Wang, sein Sohn, trat nun einher.
Und zum Fürsten sprach der Herr der Welten:
Nach jedweder Vorschrift sollst du thun;
Habgier nicht nach vielen Gütern hegen,
Und im Tugendstreben niemals ruhn.
In dem Lande Mi sind wilde Menschen,
Weil man ihren Strafer noch vermißt,
Im Land Yuen, da haschten sie nach Raube,
Wie der Wolf die frommen Lämmer frißt.
Zornig ward der König, und zur Rache
Zog er muthig aus für's Kaiserreich,
Und er überwand die stolzen Feinde,
Heimwärts kehrten die Bewohner gleich.
"Unsre Berge hatten sie erklommen,
In die Thäler wollten sie zur Stell'.
Nicht sollt rasten ihr an unsern Bergen,
Tränken nicht das Roß an unserm Quell!
"Unser sind die Berge und die Quellen,
Sie gehörten unsern Vätern schon;
Und wir haben wieder sie erhalten,
Werd' Wen-Wang, dem Reichshort, hoher Lohn!"
So zum Reichshort sprach der Herr der Welten:
Deine Tugend seh' ich sonnenklar;
Allen Schein vermeidest du und Flitter,
Ohne Prunk sind deine Worte wahr.
Gleich als wärst du schlicht und unerfahren,
Ohne Stolz hast alles du vollbracht.
Wie ich dich erwählt, den Feind zu bänd'gen,
Hab' ich nun zum Volkshirt dich gemacht.
Suche deinen Feind in seinem Lande,
Wider ihn zieh' mit den Kämpfern aus,
Beug' im Lande Tsong den Hochmuth nieder,
Und bezwing die Stadt mit Sturmesgraus.
Straf' den Feind, doch auch im Zorn schone,
Und befest'ge ringsumher das Land,
Warte dann, wo ferner du sollst leuchten,
Denn ich mach' es selbst dir bekannt.
— in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 34f.
Leitung von Stufe zu Stufe Friedrich Rückert (1788–1866)
— in: Rückert, Friedrich. Schi-king. Chinesisches Liederbuch, gesammelt von Confucius, dem Deutschen angeeignet von Friedrich Rückert. Altona: J. F. Hammerich, 1833. p. 277-281.
Herrlich thront des Himmels Fürst, erhaben,
Rings zugegen ist er auf der Erde,
Um zu sehn, wo Völker Ruhe haben,
Und die Hirten weiden gut die Herde.
Da er sah des Hauses Schang Verderben,
Blickt' er um in alle Landestheile,
Wen er fände tauglich, daß die herben
Uebel er des kranken Reiches heile.
Und sein Blick auf Tan-Fu gefallen,
Den er wachsen ließ an Macht und Ehren;
In ein neues Land hieß er ihn wallen,
Sein Geschlecht zu gründen und zu mehren.
Wie er kam in's Land von vielen Bäumen,
That er so wie ihm war aufgetragen;
Aus dem Wege ließ er fleißig räumen
Stämme, die verdorrt im Wege lagen.
Die im Boden abgestorben standen,
Hieb er aus, daß junge könnten sprießen;
Die zu eng sich im Gedränge fanden,
Lichtet' er und ließ sie Luft genießen.
Also hat er wohl den Raum benutzet,
Und gethan was Zeit und Umstand litten.
Kiü und Yü die Bäum' hat er gestutzet,
Yen und Tsche die Bäum' hat er schnitten.
So im Land, das seine Hände schufen,
Lebt' er seiner Gattin treu verbündet;
Und als er zum Himmel ward gerufen,
War sein Reich und sein Geschlecht gegründet.
Doch der höchste Herr der Welten schaute
Nach den Bergen, nach der Wälder Dichten;
Wege sah er, Felder wohlgebaute,
Schön gelichtet Föhren, Tannen, Fichten.
Da beschloß der höchste Herr der Welten,
Daß daselbst das Reich gedeihen sollte.
Seinem Blick sich dar zwei Brüder stellten,
Wen er unter beiden wählen wollte:
Tai-Pe und Wang-Ki, des Tan-Fu Söhne;
Wang-Ki trachtet mit bescheidnen Sitten,
Wie er treu dem ältern Bruder fröhne;
Darum war er wohl vom Herrn gelitten.
Seine Gnad' hat er auf ihn gehäufet,
Seiner Herrschaft Grenzen weit gerücket.
Weil auf ihm des Himmels Segen träufet,
Dienen Nah und Fern ihm hochbeglücket.
Das ist Wang-Ki, der, das Recht zu sprechen,
Weisen Sinn vom höchsten Herrn empfangen,
Rechte Kraft ohn' Uebermuth und Schwächen,
Würdig auf dem höchsten Thron zu prangen.
Wenn er auf den Thron des Reiches stiege,
Er der alles weiß nach Werth zu richten,
Würd' er mächtig führen äußre Kriege,
Und gelind die innre Zwietracht schlichten.
Doch noch war zur obersten der Stufen
Nicht der Strom geschwellt, noch stieg die Welle;
Wang-Ki ward zum Himmel abgerufen,
Und sein Sohn Wen-Wang trat an die Stelle.
Also sprach der Herr der Welt zum Fürsten:
Jedes mein Gebot sollst du vollbringen;
Nicht nach Gut und Habe sollst du dürsten,
Nach der Tugend Gipfel sollst du dringen.
Trotzig sind vom Lande Mi die Leute,
Weil im Reich kein Arm ist sie zu strafen,
In's Land Yuen sie brachen ein nach Beute,
Wie die Wölf' in einen Stall von Schafen."
Zornig schwoll des Königs Muth; gerüstet
Zog er für des Kaiserreiches Ehren,
Schlug zurück den Feind der sich gebrüstet,
Hieß die friedlichen Bewohner kehren.
"Unsre Berge hatten sie bestiegen,
Wollten sich in unsre Thäler senken.
Nicht an unsern Bergen sollt ihr liegen,
Nicht die Ross' an unsern Brunnen tränken!
Unser sind die Quellen, sind die Bronnen,
Unsrer Väter, unserer Geschlechter;
Und nun sind sie wieder uns gewonnen
Durch Wen-Wang, den Kaiserreichsverfechter."
So der Herr der Welt zum Reichsbefrieder:
Deine Tugend steht mir klar vor Augen.
Scheingepräng verschmähst du schlicht und bieder,
Hoher Worte Schwall will dir nicht taugen.
Wie ein unerfahren unverständ'ger
So gebarst du ohne Stolz, bescheiden.
Wann ich dich gebraucht als Feindebänd'ger,
Will ich brauchen dich mein Volk zu weiden.
Denke deines Feinds in seinen Landen,
Zieh mit deinen Brüdern, deinen Streitern,
Mach den Stolz im Lande Tsong zu Schanden,
Geh, besteig die Stadt im Sturm und Leitern!
Züchtige die Feind' und schon' im Grimme,
Festige das Reich an seinen Gränzen,
Und erwarte, wo ich dir bestimme
Daß hinfort durch mich dein Licht soll glänzen.
Die Erhöhung der Tscheu-Dynastie Victor von Strauß (1809–1899)
— in: Strauß, Victor von. Schi-king. Das kanonische Liederbuch der Chinesen. Heidelberg: Carl Winter's Universitätsbuchhandlung, 1880. p. 402-405.
Erhaben ist der Höchste Herr,
Und schaut herab in hehrer Macht.
Er blickte forschend auf das Reich,
Ob Ruh' den Völkern sei gebracht;
Doch diese beiden Herrscherhäuser, –
Ihr Walten fand er ungeschlacht.
Und durch die andern Ländern alle,
Da sucht' er um, da nahm er Acht.
Der Höchste Herr, als er gefunden,
Verwarf er die sich groß gemacht;
Und blickte gnädig auf den Westen,
Den er als Wohnsitz zugedacht.
Da rodet' er, zernichtet' er
Das todte Holz, das umgestürzte;
Da ordnet' er, da richtet' er
Das Dickicht und das Wildverschürzte;
Da öffnet' er, da trieb er ab
Das Weidicht und das harte Rohr;
Da lichtet' er, da hieb er ab
Waldmaulbeerbaum und Sykomor.
Der Herr bracht' her die lichte Tugend:
Die wilden Kuan, sie mußten flieh'n.
Der Himmel setzt ihm die Genossin,
Fest stand das Amt schon, ihm verlieh'n.
Der Herr sah nieder auf's Gebirg:
Und Eich' und Dorn, fort waren sie,
Pfad ließ Cypress' und Fichte hie.
Da hub der Herr das Land, hub, dem er's lieh,
Vom Fürsten Thai an und vom König Ki.
Es war ja dieser König Ki
Voll Herz, darum auch bruderhold;
Drum hold dem älteren Bruder sein,
Drum mehrt' er seines Glücks Gedeih'n;
So wußt' er Glanz ihm zu verleih'n.
Ihm ward der Rang; nichts büßt' er ein;
Bald waren alle Lande sein.
Es war ja diesem König Ki
Vom Herrn ein weises Herz verlieh'n,
Daß still sein Tugendruhm gedieh'n.
Denn seine Tugend war Erkennen,
Sie war Erkennen, war Entscheiden,
Sie war Regieren, war Verwalten,
Beherrschen dieses große Lehn,
Und Zucht und Einigkeit Erhalten.
Und es gelangt' an König Wen,
Deß Tugend niemals Reu beschwert;
Dem Segen ward vom Herrn beschert,
Der bis auf Enkel fortgewährt.
Der Herr, der sprach zu König Wen:
"Fern sei dir Abfall, Gegenwehr,
Und fern Gelüsten und Begehr!" –
Da stieg er über Alle hoch und hehr.
Das Mi-Volk wagte frech genung
Des großen Lands Beschädigung,
Fiel ein in Juan und drang bis Küng.
Der König, zürnend aufgefahren,
In Ordnung stellt' er seine Schaaren,
Zu wehren eingedrung'nen Schaaren,
Tscheu's Wol zu sichern vor Gefahren,
Und allem Reich entsprechend zu gebaren.
Nicht aus der Stadt war er gegangen,
Als wir in Juan's Gemarkung drangen
Und uns'rer Gipfel Höh'n ersprangen.
Kein Schaaren mehr auf unsern Bergen,
Und uns die Berge, uns die Höhen!
Kein Trinken mehr aus unsern Quellen,
Und uns die Quellen, uns die Seen!
Da wählt' er jene schöne Fläche,
Wohnt' an des Khi-Bergs Mittagswand
Und an des Wei-Gewässers Strand,
Wo er als Merkziel jedem Land,
Dem niedern Volk als Zuflucht stand.
Der Herr, der sprach zu König Wen:
"Die lichte Tugend halt' ich werth,
Die groß Getön und Färbung gern entbehrt,
Die niemals Leidenschaft noch Laune nährt,
Die unerkannt und unverstanden
Nur nach des Herrn Gebot verfährt." –
Der Herr, der sprach zu König Wen:
"In's Land des Feindes sollst du geh'n,
Sollst deine Brüder dir gesellen;
Sollst deine Hakenleitern nehmen,
Sammt Sturmgeräth und Wagenthürmen,
Die Mauern Ts'hung's damit zu stürmen."
Sturmzeug und Thürme rückten an;
Ts'hung's Mauern stiegen hoch hinan;
Man fing die Schuld'gen, Mann bei Mann,
Und beim Entohren schonte man.
Das war ein Weih'n, ein Opferbringen,
Das ein Gelingen, ein Bezwingen,
Daß aller Welt Gespött und Hohn vergingen.
Vor drangen Sturmzeug, Thürmenwagen
An Ts'hung's gewalt'gen Mauerkragen.
Das war ein Draufgeh'n, das ein Jagen,
Das ein Zernichten, ein Zerschlagen,
Daß aller Welt verging das Widersagen.