臨終詩 "伯陽適西戎"
Ouyang Jian 歐陽建 (?–300)
伯陽適西戎。孔子欲居蠻。
苟懷四方志。所在可遊盤。
況乃遭屯蹇。顛沛遇災患。
古人達機兆。策馬遊近關。
咨余沖且暗。抱責守微官。
潛圖密已搆。成此禍福端。
恢恢六合間。四海一何寬。
天網布紘綱。投足不獲安。
松柏隆冬悴。然後知歲寒。
不涉太行險。誰知斯路難。
真偽因事顯。人情難豫觀。
窮達有定分。慷慨復何歎。
上負慈母恩。痛酷摧心肝。
下顧所憐女。惻惻心中酸。
二子棄若遺。念皆遘凶殘。
不惜一身死。惟此如循環。
執紙五情塞。揮筆涕汍瀾。
Vor meiner Hinrichtung gedichtet Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 360f.
Lao-tzu begab sich zu den westlichen Barbaren; Konfuzius wollte bei den neun Stämmen des Südens verbleiben (Legge I 221).
Wenn Du nur Freude am Reisen hast, kannst Du Dich überall in der Fremde wohl fühlen.
Umsomehr sollte ein Mann, der Widerständen begegnet und in Lebensgefahr kommt, das Land verlassen und sich ins Ausland begeben.
Die Männer des Altertums verstanden die Vorzeichen solchen Unglücks; [Chü Po-yü] peitschte sein Pferd und verliess das Land über den nächsten Grenzpass (Legge V 461/7).
Ach, ich war dumm und unerfahren wie ein kleines Kind; ich verblieb in meiner kleinen Stellung, die Pflichten des Amtes erfüllend (Legge II 219).
Der geheime Ratschlag, den ich gegeben hatte (um Ssu-ma Lun; BD No. 1757, zu beseitigen), ist die Ursache meines traurigen Geschickes geworden.
Wie unermesslich gross ist doch diese Welt! Wie ausgedehnt das Land innerhalb der vier Meere!
Aber überall sind die Maschen des himmlischen Netzes (des Schicksals) ausgebreitet (und man kann ihm nimmer entrinnen; Tao te king 73); wo immer ich meinen Fuss niedersetze, kann ich keine Ruhe (Schutz) finden.
Aus dem traurigen Aussehen von Fichten und Zypressen im tiefen Winter erkennt man die strenge Kälte dieser Jahreszeit.
Wer den gefährlichen T'ai-hang-Berg nicht selbst überschritten hat, weiss nichts von den Schwierigkeiten jenes Weges (d.h. erst in meinem Unglück kommt mir die Schlechtigkeit der Menschen zum Bewusstsein).
Die Aufrichtigkeit oder Falschheit eines Mannes (vielleicht Sun Hsiu; TCKM 17/33) zeigt sich erst im Verlaufe der Begebenheiten; das Herz eines Menschen ist schwer vorher zu ergründen.
Erfolg und Misserfolg sind prädestiniert; warum sollte ich darüber noch traurig seufzen?
Dagegen habe ich mich einerseits gegenüber der grossen Gnade meiner barmherzigen Mutter (die zusammen mit mir hingerichtet wird) undankbar gezeigt, und dieser furchtbare Schmerz bricht mir das Herz.
Andererseits habe ich das grösste Mitleid mit meiner geliebten Tochter, und der Kummer über ihren Tod macht mich ganz krank.
Auch meine beiden Söhne sind verloren wie Gegenstände, die ich weggeworfen habe (Legge IV 350); und der Gedanke verfolgt mich, dass sie alle meinetwegen einem schrecklichen Tode verfallen sind.
Ich bedaure nicht, dass ich selbst sterben muss; aber die (gleichzeitige) Hinrichtung meiner Familienmitglieder erscheint mir vollkommen sinnlos (wie ein Weiterlaufen im Kreise).
Als ich nach Papier griff, um diese Gedanken aufzuzeichnen, waren meine Gefühle gleichsam gehemmt (zurückgedrängt), erst während des Schreibens begannen meine Tränen in Strömen zu fliessen.