飲馬長城窟行 "青青河邊草"
Cai Yong 蔡邕 (ca. 132–192)
青青河邊草。綿綿思遠道。
遠道不可思。宿昔夢見之。
夢見在我傍。忽覺在他鄉。
他鄉各異縣。展轉不可見。
枯桑知天風。海水知天寒。
入門各自媚。誰肯相為言。
客從遠方來。遺我雙鯉魚。
呼兒烹鯉魚。中有尺素書。
長跪讀素書。書中竟何如。
上有加餐食。下有長相憶。
Trennung Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Dichtungen der Tang- und Sung-Zeit, Veröffentlichungen des Seminars für Sprache und Kultur Chinas an der Hamburgischen Universität. Hamburg: Friederichsen, de Gruyter & Co., 1929. p. 7f.
Grün die Gräser wachsen
An dem Uferrand.
Endlos zieht mein Sehnen
In ein fernes Land.
Immer in die Ferne
Schweifen sollt' ich nicht.
Selbst des Nachts erblick' ich
Ihn als Traumgesicht.
Und im Traume seh' ich
Ihn zur Seite mir,
Wenn ich dann erwache,
Ist er weit von hier.
Ist in and'rer Gegend
Und an anderem Ort.
Nutzlos ist mein Sehnen,
Denn sein Bild ist fort.
Dürre Zweige fühlen
Nicht des Sturms Gewalt,
Und des Meeres Flut nicht,
Wie die Luft so kalt.
Wer im trauten Heime,
Hat Zufriedenheit,
Könnte dem wohl sprechen
Ich von meinem Leid?
Doch da kommt ein Fremdling
Aus der Ferne an,
Und er bringt zwei Karpfen
Mir von meinem Mann.
Um sie flugs zu kochen,
Ich den Knaben rief,
Fand aus weißer Seide
Darin einen Brief.
Niederknieend las ich,
Was im Briefe stand.
In dem seid'nen Briefe
Folgendes ich fand:
"Mehr auf deine Pflege
Mußt bedacht du sein",
Und zum Schlusse hieß es:
"Ewig denk' ich dein".
Die Erzählung von den Quellen an der Chinesischen Mauer, wo die Pferde getränkt werden Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 476f.
Herrlich grün ist das Gras am Ufer des Huangho; ununterbrochen denke ich (an meinen Mann) auf seiner weiten Reise.
Und doch kann diese Sehnsucht ihn von seiner weiten Reise nicht zurückrufen; nur in der Nacht oder am Morgen erscheint er mir im Traume.
Ich träume, dass er an meiner Seite ruht; plötzlich wache ich auf (und erinnere mich), dass er sich in fernen Gegenden aufhält.
Und jene ferne Gegend und die hiesige sind von einander verschieden; ich wälze mich auf meinem Lager (Legge IV 3), doch der Traum ist vorüber und ich kann ihn nicht mehr sehen.
Selbst ein verdorrter Maulbeerbaum fühlt noch die Stärke des vom Himmel kommenden Windes; selbst das Wasser des grossen Meeres fühlt die Kälte des Wetters (wie sollte ich junges Weib nichts von Sehnsucht wissen!).
Wenn ich zu anderen Familien komme, sehe ich überall die gegenseitige Liebe der Gatten; wer würde jedoch mit mir reden und mich trösten wollen?
Aus der Ferne kommt ein Gast und bringt mir ein paar Karpfen.
Ich rufe meinen Sohn, er möge die Karpfen zubereiten; im Bauch des einen findet sich ein fusslanger Brief, auf weisser Seide geschrieben.
Ich kniee lange nieder und lese den weissen Brief; und was steht schliesslich in diesem Brief?
Am Anfang heisst es, ich möge mehr essen; am Schlusse lässt er mich wissen, er gedenke ununterbrochen meiner voll Sehnsucht.