早發定山詩
Shen Yue 沈約 (441–513)
夙齡愛遠壑。晚蒞見奇山。
標峯綵虹外。置嶺白雲間。
傾壁忽斜竪。絕頂復孤圓。
歸海流漫漫。出浦水濺濺。
野棠開未落。山櫻發欲然。
忘歸屬蘭杜。懷祿寄芳荃。
眷言採三秀。徘徊望九仙。
Auf der Reise nach Tung-yang, zu dessen Präfekt ich ernannt bin, breche ich morgens vom Ting-Berge auf Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 470f.
In meiner Jugend liebte ich die fernen, tiefen Täler; in meinem Alter komme ich jetzt hier vorüber und sehe diesen wunderbaren Berg.
Er erhebt seine Spitze bis jenseits des bunten Regenbogens; er dehnt seinen Rücken bis in die weissen Wolken hinein.
Die (unten) senkrechten Schroffen neigen sich (oben) plötzlich gegen einander und vereinigen sich zur höchsten Spitze, die mit einsamer Rundung in die Lüfte emporragt.
Der Talfluss fliesst in langem Laufe dem Meere zu; rasch bewegen sich die Fluten, die aus der Enge der Schluchten hervorschiessen.
Wilde Birnbäume öffnen gerade ihre Knospen, und noch sind keine Blüten abgefallen (Legge IV 99); Bergkirschen entfalten ebenfalls ihre roten Blüten, die an Flammen erinnern.
Ich vergesse heimzukehren, während ich Orchideen und Pollia-Gräser betrachte; doch ich erinnere mich, dass ich als Beamter Gehalt beziehe und daher von der Gnade des Herrschers abhängig bin (d.h. ich kann hier nicht länger verweilen).
Ich sehe zurück (nach dem Ting-Berg) und möchte den dort wachsenden Wunderpilz pflücken; zögernd breche ich auf, da ich noch immer hoffe, in die neun Klassen der Unsterblichen eingereiht zu werden.