游鍾山詩應西陽王教
Shen Yue 沈約 (441–513)
靈山紀地德。地險資岳靈。
終南表秦觀。少室邇王城。
翠鳳翔淮海。衿帶遶神坰。
北阜何其峻。林薄杳葱青。
發地多奇嶺。干雲非一狀。
合沓共隱天。參差互相望。
鬱律構丹巘。崚嶒起青嶂。
勢隨九疑高。氣與三山壯。
即事既多美。臨眺殊復奇。
南瞻儲胥觀。西望昆明池。
山中咸可悅。賞逐四時移。
春光發隴首。秋風生桂枝。
多值息心侶。結架山之足。
八解鳴澗流。四禪隱巖曲。
窈冥終不見。蕭條無可欲。
所願從之遊。寸心於此足。
君王挺逸趣。羽斾臨崇基。
白雲隨玉趾。青霞雜桂旗。
淹留訪五藥。顧步佇三芝。
於焉仰鑣駕。歲暮以為期。
Das Gedicht über das Chung-Gebirge, das ich im Auftrag des Prinzen von Hsi-yang verfasste Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 349f.
Ein heiliger Berg ist gewissermaszen der Sammelpunkt der guten Eigenschaften der Erde; da schwer zugänglich, dient er den Geistern als Aufenthaltsort.
Der Chung-nan-Berg ist ein Wahrzeichen für den Palast der Ch'in-Dynastie (in Ch'angan); der Shao-shih-Berg erhebt sich in der Nähe von Loyang.
Grüne Phönixe kreisen über dem Lande zwischen dem Huai-Fluss und dem Meere (hier hat sich die Sung-Dynastie erhoben); strategisch wichtige Berge und Flüsse umgeben die wunderbare Kaiserstadt (Nanking).
Wie hoch ragt in ihrem Norden das Chung-Gebirge empor? Seine dichten Wälder zeigen ein üppiges Grün.
Dort erheben sich aus der Erde zahlreiche merkwürdige Bergketten, und die Formation der in die Wolken ragenden Spitzen sind von grosser Mannigfaltigkeit.
Übereinander getürmt verfinstern sie in ihrer Gesamtheit den Himmel; von ungleicher Höhe stehen sie in ununterbrochener Folge neben einander (blicken einander an).
Ihre emporstrebenden Massen bilden rötliche Schroffen; mächtig erheben sich dazwischen die grünen Hänge.
Dadurch besitzt das Chung-Gebirge eine Ausdehnung wie die Neun-Zweifel-Kette (in Hunan), und seine [gewaltige] Erscheinung erinnert an die drei Inseln (der Seligen im Weltmeer).
Die Szenerien dieses Gebirges sind schon von grosser Schönheit; blickt man aber von seiner Höhe in die Weite, ist die Aussicht noch viel wunderbarer.
Schaut man nach Süden, sieht man einen Turm ähnlich dem Ch'u-hsü-kuan (bei Ch'angan); blickt man nach Westen, sieht man einen See ähnlich dem K'un-ming-hu (in Shensi).
Alles was man in diesem Gebirge bemerkt, ist geeignet das Herz zu erfreuen; und dieser Naturgenuss verändert sich je nach der Jahreszeit.
Das Sonnenlicht des Frühlings lässt die Felder ergrünen; der Wind des Herbstes lässt die Zweige der Cassia sich entwickeln.
Ich begegne vielen Einsiedlern, die hier Ruhe finden wollen; sie haben ihre Hütten am Fuss des Gebirges errichtet.
Rauschend fallen Giessbäche in den See der (achtfache) Erlösung Suchenden; die Schluchten der Berge verbergen die in (vierfacher) Meditation Versunkenen.
Sie leben tief zurückgezogen in den Bergen und sehen schliesslich nichts von der Aussenwelt; in ihrer Einsamkeit können sie keine Begierden haben.
Mein einziger Wunsch wäre es, mit diesen Einsiedlern umherzuwandern; darin würde mein kleines Herz seine Befriedigung finden.
Unser Prinz von Hsi-yang zeigt grosses Interesse für die Natur; daher ist er mit seinem Gefolge (das federngeschmückte Banner trägt) auf diesen hohen Berg gestiegen.
Weisse Wolken folgen den Schritten des Prinzen; das Blau des Firmaments vermischt sich mit den Farben der herrlichen Fahnen (seiner Begleitung).
Der Prinz verweilt lange auf diesem Berge und erkundigt sich nach seinen Erzeugnissen; langsam wandelt er suchend umher und hofft die drei Wunderpilze zu finden (nach deren Genuss man in den Himmel aufsteigen kann).
Ich aber möchte hier auf den prinzlichen Wagen warten, wenn er gegen Ende des Jahres neuerdings eintrifft.