正月
Anonymous (Shijing)
正月繁霜,我心憂傷。
民之訛言,亦孔之將。
念我獨兮,憂心京京。
哀我小心,癙憂以痒。
父母生我,胡俾我瘉。
不自我先,不自我後。
好言自口,莠言自口。
憂心愈愈,是以有侮。
憂心惸惸,念我無祿。
民之無辜,并其臣僕。
哀我人斯,于何從祿。
瞻烏爰止于誰之屋。
瞻彼中林,侯薪侯蒸。
民今方殆,視天夢夢。
既克有定,靡人弗勝。
有皇上帝,伊誰云憎。
謂山蓋卑,為岡為陵。
民之訛言,寧莫之懲。
召彼故老,訊之占夢。
具曰予聖,誰知烏之雌雄。
謂天蓋高,不敢不局。
謂地蓋厚,不敢不蹐。
維號斯言,有倫有脊。
哀今之人,胡為虺蜴。
瞻彼阪田,有菀其特。
天之扤我,如不我克。
彼求我則,如不我得。
執我仇仇,亦不我力。
心之憂矣,如或結之。
今茲之正,胡然厲矣。
燎之方揚,寧或滅之。
赫赫宗周,褒姒烕之。
終其永懷,又窘陰雨。
其車既載,乃棄爾輔。
載輸爾載,將伯助予。
無棄爾輔,員于爾輻。
屢顧爾僕,不輸爾載。
終踰絕險,曾是不意。
魚在于沼,亦匪克樂。
潛雖伏矣,亦孔之炤。
憂心慘慘,念國之為虐。
彼有旨酒,又有嘉殽。
洽比其鄰,昏姻孔云。
念我獨兮,憂心慇慇。
佌佌彼有屋,蔌蔌方有穀。
民今之無祿,天夭是椓。
哿矣富人,哀此惸獨
Laute Klage Johann Cramer
— in: Cramer, Johann (ed.). Schi-King, oder Chinesische Lieder, gesammelt von Confucius. Neu und frei nach A. La Charme's lateinischer Übersetzung bearbeitet. Fürs deutsche Volk hg. von Johann Cramer, Das himmlische Reich. Oder China's Leben, Denken, Dichten und Geschichte, 4 vols. Crefeld: Verlag der J. H. Funcke'schen Buchhandlung, 1844. p. 144f.
Im Sommer war's, im vierten Mond,
Da fiel ein starker Thau aufs Feld,
Vergnügt sind alle Menschen nun,
Ich trag' im Herzen schweren Gram.
Vernommen hab' ich arge Botschaft;
Weiß ich's von allen nur allein?
Ich muß den Schmerz verborgen halten,
Und ihm das Herz verstolen weihn,
Soll mir's das Herz nicht spalten?
Weh' mir, daß ich geboren ward,
Um Solches zu erleben nun!
Und warum konnte nicht geschehn,
Was mich bedrängt, in andrer Zeit?
Sie mögen denken was sie wollen,
Ob's Gutes oder Schlimmes sei,
Sie können’s nimmermehr verschweigen,
Und ich bin voller Angst dabei,
Doch ihnen ist nur Leichtsinn eigen.
Ich trag' mein Grämen ganz allein,
Seh' schneller stets das Unheil nah'n.
Ein armes Volk geknechtet ist,
Ein Land ist krank, wer heilt es wohl?
Seht ihr den Raben dort im Fluge?
Wohin wohl denkt zu fliegen er?
Vielleicht zum Schloß, vielleicht zur Hütte?
Wo es auch sei, er lastet schwer,
Daß alles er in Schutt zerrütte.
Da steht der Wald! wie angehäuft
Von Bäumen, Stämmen, und Gezweig!
So eingezwängt von Unheil ist
Das Volk, und selbst der Himmel schweigt.
Wenn er nur wollte, könnt' er's ändern;
Wer aber thut ihm Widerstand?
Wie, sollte Haß ihn wohl beseelen?
Ich hab' ihn hassend nie gekannt,
Doch sieht er zu, wie sie uns quälen.
Nicht schwächlich ist ein Berg fürwahr,
Der ganze Felder tragen kann.
Doch warum beugt er sich dem Wind,
Und höret lose Reden an?
Er sitzt zu Rath mit seinen Räthen,
Traumdeuter forschen nach dem Traum,
Doch wollen sie sich selbst nur weiden
An ihrer Klugheit, und vermögen kaum
Die Spatzin von dem Spatz zu unterscheiden.
Ist nicht der Himmel hoch genug,
Was soll man sich nun bücken noch?
Und liegt die Erde denn nicht fest,
Daß man nur zitternd darauf geht?
Wir haben wohl zum Gehen Füsse,
Doch keiner wagt den ersten Gang;
Ein jeder kennt das Rechte, Gute;
Wie ist's drum, daß gleich Drach' und Schlang'
Jetzt ſind, die sonst von edelm Muthe.
Man kommt auf steilem Weg zum Feld,
Rings Dorn und Felsen und Gestrüpp';
Doch ist der Acker gut bestellt,
Verschmäht indeß der Weisheit Korn.
Ich muß dem Schmerz fast unterliegen;
Wie führt man jetzt das Regiment!
Pao-See das Weib, verderblich schaltet,
Wer löschet, wenn das Weltall brennt?
Wie wird das Reich durch sie verwaltet?!
Der ruh'ge Fisch im Wasser selbst
Muß wie ein Schlimmer heimlich thun,
Und ging er noch so tief zum Grund,
Das klare Wasser ihn verräth.
Mein Leid sich jeden Tag vergrößert,
Sie aber zechen munter drauf,
Und leben stets im Frohgenusse,
Als wär' der Quell im vollen Lauf,
Das Reich im schönsten Ueberflusse.
Die Nattern wohnen in dem Schloß,
Beschenkt mit Gnaden unverdient;
Das arme Volk fühlt sich gebeugt,
Die Welt erliegt des Himmels Zorn.
Es mag ein Reicher dies ertragen,
Der nimmer ganz verarmen kann,
Wie aber soll in diesen Tagen
Ausdauern der ganz arme Mann,
Dem Gram nur bleibet und Beklagen?