美女篇
Cao Zhi 曹植 (192–232)
美女妖且閑。採桑歧路間。
柔條紛冉冉。落葉何翩翩。
攘袖見素手。皓腕約金環。
頭上金爵釵。腰佩翠琅玕。
明珠交玉體。珊瑚間木難。
羅衣何飄颻。輕裾隨風還。
顧盻遺光采。長嘯氣若蘭。
行徒用息駕。休者以忘餐。
借問女安居。乃在城南端。
青樓臨大路。高門結重關。
容華耀朝日。誰不希令顏。
媒氏何所營。玉帛不時安。
佳人慕高義。求賢良獨難。
眾人徒嗷嗷。安知彼所觀。
盛年處房室。中夜起長歎。
Die Herrliche Hans Bethge (1876–1946)
— in: Bethge, Hans. Die chinesische Flöte. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Leipzig: Insel Verlag, 1907. p. 12f.
Du bist wie eine Zauberin! Die Schritte,
Die deine schlanken Lenden tun, verwirren;
Der Maulbeerbaum umkost dich, dem du nahst.
Pflückst du dir Blumen, fliegen sie beseligt
In deine Hände. Fällt dein Ärmel rückwärts,
So seh ich einen Arm, der himmlisch ist.
Zwei goldne Reifen gehn um deine Knöchel,
In deinem Gürtel prangen blaue Steine,
Ein kleiner Vogel schmückt dein Haar.
Um deinen Hals, der glatter ist als Jade,
Flirrt eine Kette grosser, echter Perlen,
Die eine Spange von Korallen schliesst.
Wenn sich der Wind in deinen Kleidern fängt,
So bauschen deine Kleider sich wie Wolken,
Darin die Götter durch den Himmel ziehn.
Siehst du mich an, so glüh ich wie die Hölle;
Streift mich ein Hauch von deinen roten Lippen,
So atme ich den Duft der Blume Lan.
Begegnet dir ein Reiter vor den Toren,
So hemmt er seines Rosses wilde Hufe,
Ihm ist, als ob ein holdes Traumbild naht.
Sieht dich ein Hungriger am Strassenrande,
So blickt er auf und lässt die Mahlzeit ruhen
Und staunt dich an und weiss nicht, dass ihn hungert...
Ein schönes Kind Max Fleischer (1880–1942)
— in: Braun, Felix. Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 1952. p. 30f.
Wie hat mich dieses Weib berückt!
Das muß man sehen, wie sie Blätter
des Maulbeerbaums am Wege pflückt.
Die Zweige rauschen ganz verzückt.
Die Blätter drängen sich beglückt
in ihre Hand. Die armen Blätter!
Der Ärmel, der zurückfällt, läßt
ein weißes Handgelenk erscheinen.
Um ihre Knöchel schmiegt sich fest
ein Ring. Im Haar sitzt wie im Nest
ein goldner Sperling. Zärtlich preßt
ein Gürtel sie mit blauen Steinen.
Ein Kettlein lichter Perlen rinnt
um ihren Hals. Die Spangen tragen
Korallen. Edle Steine sind
dazwischen; und sooft der Wind
sein Spiel mit ihrem Kleid beginnt,
gleicht's wolkenhaft dem Götterwagen.
Schaut sie, hat sie dir's angetan.
Streift dich der Anhauch ihrer Lippen,
spürst du den Duft der Blume Lan.
Der Reiter hält sein Rößlein an.
Ja, Dürstende, die sie ersahn,
mochten, berauscht, kein Tröpflein nippen.
Die Schöne Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Dichtungen der Tang- und Sung-Zeit, Veröffentlichungen des Seminars für Sprache und Kultur Chinas an der Hamburgischen Universität. Hamburg: Friederichsen, de Gruyter & Co., 1929. p. 12-14.
Eine Schöne, hold und jung,
Die den Sinn berückte,
An der Wege Gabelung
Maulbeerblätter pflückte.
Manchen jungen, frischen Zweig
Sah man unten liegen,
Manches grüne Blatt zugleich
Taumelnd niederfliegen.
Ihre zarte, weiße Hand
Aus dem Ärmel schimmert,
Um das Handgelenk ein Band
Hellen Goldes flimmert.
In das Haar gesteckt sie hat
Eine gold'ne Nadel.
Ein Gehäng' aus grüner Jad'
Hebt des Leibes Adel.
Ihren Nacken aus Nephrit
Perlen weiß berühren;
Grüne eingereiht man sieht
In Korallenschnüren.
Wie die Gaze ihres Kleid's
Leicht im Winde wehet,
Gleich dem Rädchen, das bereits
Jeder Lufthauch drehet!
Wo sie hinblickt, bleibt ein Glanz
Haften in den Lüften,
Ihre Seufzer füllen ganz
An die Luft mit Düften.
Mancher Reisende hält an,
Wenn sie naht, den Wagen;
Es vergißt der müde Mann
Alle seine Plagen.
Könnte man mir sagen nicht,
Wo die Schöne wohnet? -
In der Stadt, am Südrand dicht
Ist es, wo sie tronet.
An dem Hauptweg ragt empor
Grün ihr Wohnhaus dorten,
Wo ein hochgewölbtes Tor,
Schließt die schweren Pforten.
Dort ihr holdes Angesicht
Grüßt die Morgensonne.
Welcher Mann erstrebte nicht
Des Besitzes Wonne?
Eine rege Tätigkeit
Mittlerinnen haben,
Doch es kam noch nicht die Zeit
Für die Hochzeitsgaben.
Hoher Sinn und Edelmut
Dieser Maid Begehr ist
Und ein Mann, nur brav und gut,
Der zu finden schwer ist.
Nutzlos ist der Männerschar
Wirres Stimmgetöne,
Da kein einz'ger des gewahr,
Was ersehnt die Schöne.
So die Jugend hat verbracht
Sie in ihrem Zimmer.
Wenn sie aufwacht in der Nacht,
Seufzet schwer sie immer.
Dort wo der Weg vorüberführt Conrad Haußmann (1857–1922)
— in: Haußmann, Conrad. "Im Tau der Orchideen" und andere chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. München: Albert Langen, Verlag für Literatur und Kunst, 1908. p. 30.
Dort wo der Weg vorüberführt,
Steht sie beim Maulbeerblätter-Pflücken:
Der Zweig rauscht auf, von ihr berührt,
Streift sie ein Blatt, fliegt's mit Entzücken.
Im Haar ein goldner Vogelschwarm,
Am Gurt die blauen Steine wogen.
Der Ärmel zeigt am lichten Arm
Den Reif schlank ums Gelenk gebogen.
Am zarten Hals ein Perlenkranz,
Gerafft vom Schlosse aus Korallen,
Ihr seidner Rock im Windestanz,
Wie Wolken, wenn sie Gott umwallen.
Trifft dich ihr Blick, so glüht dein Blut,
Ihr Hauch grüßt dich wie Orchideen:
Der Reiter hält und zieht den Hut,
Der Bettler bleibt gesättigt stehen.
Ein schönes Kind Hans Heilmann (1859–1930)
— in: Heilmann, Hans. Chinesische Lyrik vom 12. Jahrhundert v. Chr. bis zur Gegenwart, Die Fruchtschale. München, Leipzig: R. Piper & Co., 1905. p. 11f.
Ach was für ein schönes Mädchen! Bezaubernd und graziös,
Wie sie da die Blätter des Maulbeerbaums am Wegrande pflückt!
Selbst die Zweige, die sie berührt, umrauschen sie schmeichelnd,
Und die Blätter, die sie abstreift, fliegen beglückt ihr zu.
Der zurückfallende Ärmel läßt ein weißes Handgelenk frei,
Ein goldner Reif schmiegt sich um den reizenden Knöchel.
Die Nadel, die ihre Haare hält, trägt einen goldenen Sperling,
Und ihr Gürtel ist mit runden blauen Steinen geschmückt, die zitternd auf und niedergehn.
Eine Kette von glänzenden Perlen umgibt ihren Hals, der glatter als Jade,
Eine Kette, die eine Spange von Korallen und bunten Steinen schließt.
Der Wind wirft ihren seidnenen Rock in leichte anmutige Falten,
Sie schweben wie die Wolken, die den Unsterblichen als Wagen dienen.
Trifft dich ihr Blick, so glüht er in deinen Adern nach wie ein Feuerstrahl;
Streift dich ein Hauch ihres Mundes, so glaubst du den Duft der Blume Lan zu atmen.
Der Reisende hält unwillkürlich sein Pferd an, wenn er ihr begegnet,
Und der Müde, Hungrige, der rastet, vergißt bei ihrem Anblick die fertige Mahlzeit.
Das Lied vom schönen Mädchen Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 482f.
Das schöne Mädchen zeigt Anmut und Bescheidenheit; sie pflückt Maulbeerbaumblätter am Kreuzungspunkt der Wege.
Die zarten Zweige sind in steter Bewegung; wie schnell flattern die gepflückten Blätter (in den Korb)!
Der zurückgeschobene Ärmel lässt ihren glänzenden Arm sehen; ihr weisses Handgelenk umspannt ein goldenes Armband.
Auf dem Kopfe trägt sie eine goldene Haarnadel (mit einem Vogelornament); von ihrem Gürtelband hängen blaue Edelsteine.
Leuchtende Perlen verzieren ihren herrlichen Leib; Korallen finden sich neben grünen Steinen.
Wie leicht schweben ihre seidenen Gewänder in der Luft! Ihre dünne Schürze wirbelt im Winde.
Während die herumschaut, senden ihre Augen glänzende Blicke aus; sie pfeift langgezogen und ihr Atem erinnert an Orchideenduft.
Die Reisenden, die hier vorbeikommen, halten wegen dieses Mädchens ihren Wagen an; Fussgänger ruhen hier aus und vergessen der Essenszeit.
Ich gestatte mir zu fragen, wo dieses Mädchen wohne; und es heisst, beim südlichen Thore der Stadt.
Ihr blaues Haus liegt an der grossen Strasse; hinter dem hohen Thor befindet sich noch ein zweites Thor.
Ihr Antlitz glänzt wie die Morgensonne; wer würde ihr liebes Gesichtchen nicht gerne sehen?
Was hat die Ehevermittlerin bisher geleistet? Warum hat sie noch keine Ehe zustande gebracht, jetzt wo das Mädchen in ihrer schönsten Zeit ist?
Das schöne Mädchen bewundert eben hohe Tugend; und einen würdigen (tugendhaften) Mann zu finden, ist wirklich besonders schwierig.
Weswegen spricht die grosse Menge über diesen Fall? Wie sollte sie auch die Absichten jenes schönen Mädchens kennen?
Mit reifen Jahren sitzt sie in ihrem Gemach; und ein langer Seufzer erhebt sich aus ihrer Brust.