春日詩
Xiao Yi 蕭繹 (508–554)
春還春節美。春日春風過。
春心日日異。春情處處多。
處處春芳動。日日春禽變。
春意春已繁。春人春不見。
不見懷春人。徒望春光新。
春愁春自結。春結詎能申。
欲道春園趣。復憶春時人。
春人竟何在。空爽上春期。
獨念春花落。還以惜春時。
Frühling Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Blüthen chinesischer Dichtung. Magdeburg: Commissionsverlag: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber, 1899. p. 58.
Wieder kommt die Frühlingszeit,
Holde Zeit der Düfte,
Und es weh'n am Frühlingstag
Lind die Frühlingslüfte.
Tag für Tag des Frühlings Sinn
Emsig schafft und schaltet;
Frühlings Walten allerorts
Alles neu gestaltet.
Allerorten rauschet es
In den Frühlingszweigen,
Neue Frühlingsvögelein
Tag für Tag sich zeigen.
Also spürt des Frühlings Geist
Man an allen Ecken,
Frühlingskinder aber kann
Nirgends ich entdecken;
Die den Frühling in ihr Herz
Haben aufgenommen,
Sehen nur des Frühlings Glanz
Jetzt auf's Neu' entglommen.
Wunden, ach! der Frühling selbst
Schlug den Menschenkindern,
Wessen Hand vermöchte wohl
Ihren Schmerz zu lindern!
In der Frühlingsgärten Pracht,
Möcht' ich mich versenken,
Doch ich muss im Frühling stets
An die Menschen denken.
Wüsste gern, an welchem Ort
Frühlingskinder seien;
Nur vergang'ner Frühlingspracht
Sich die Menschen freuen,
Denken nur, das bald verwelkt
Sind die Frühlingsblüthen,
Wie's im letzten Frühling auch
Ihnen war beschieden.