秋風辭
Liu Che 劉徹 (156 BC–87 BC)
秋風起兮白雲飛。 草木黃落兮鴈南歸。 蘭有秀兮菊有芳。 懷佳人兮不能忘。 汎樓船兮濟汾河。 橫中流兮揚素波。 簫鼓鳴兮發櫂歌。 歡樂極兮哀情多。 少壯幾時兮奈老何。
Herbst Hans Bethge (1876–1946)
— in: Bethge, Hans. Die chinesische Flöte. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Leipzig: Insel Verlag, 1907. p. 9f.
— in: Braun, Felix. Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 1952. p. 29f.
Der Herbstwind tobt, die weissen Wolken jagen Mit Schwärmen wilder Gänse um die Wette, Vergilbte Blätter taumeln durch die Luft. Die Lotosblumen welken ab, die Rosen Stehn ohne Duft. Mich martert die Erinnerung An Eine, die ich nicht vergessen kann. Ich muss sie wiedersehn! Ich mache eilig Das Boot los, um in ihm das andre Ufer Des Flusses zu erreichen, wo sie wohnt. Der Strom geht stark, das Wasser rauscht wie Seide Und quillt empor und kräuselt sich im Winde. – Trotz aller Mühe komm ich nicht vom Fleck. Mir Mut zu machen, heb ich an zu singen, Doch wehe! meine Schwäche bleibt dieselbe, Und traurig und in Qualen stirbt mein Lied. O Liebesglut! Du drängst zu ihr hinüber, Die mich erfüllt, – ich aber kann nicht folgen. Ich bin im Herbste, meine Kraft ist aus. Der Herbst des Lebens weht durch meine Tage, – Ich sehe in die Strömung und erblicke Ein Greisenbild erzitternd unter mir.
Ruderlied Max Fleischer (1880–1942)
— in: Braun, Felix. Die Lyra des Orpheus. Lyrik der Völker in deutscher Nachdichtung. Wien: Paul Zsolnay Verlag, 1952. p. 30.
Der Herbstwind hat die Blätter aufgeweht. Wie kahl der längs vergilbte Laubwald steht! Die wilden Gänse heben sich zum Flug und schweben südwärts hin in langem Zug. Die Blume Lan ist lächelnd aufgeblüht. Von Chrysanthemenduft bin ich umsprüht. Leicht legt an meine Wange sich der Wind. Da denk ich dein, du heißgeliebtes Kind. Die Barke fliegt. Die Trommel wird gerührt. O Stimmung, die zu einem Lied verführt! Mein Ruder gibt mir Melodie und Takt. Wie hatte jäh ein Taumel mich gepackt! Wie liebte ich, wie litt ich, wie vermaß ich mich im Glück, daß ich der Zeit vergaß, der Zeit, die wie dies Ruderlied vergeht und dich und mich wie gelbes Laub verweht.
Flussfahrt Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Blüthen chinesischer Dichtung. Magdeburg: Commissionsverlag: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber, 1899. p. 8.
Vom Herbstwind fortgetrieben Die weissen Wolken flieh'n. Es welken Bäume und Sträucher; Die Gänse zum Süden zieh'n. Nur Orchideen noch prangen Und Chrysanthemen blüh'n. Ich denke an meine Holde, Sie kommt mir nicht aus dem Sinn. Im Hochdeckschiffe fahr' ich Den Fen entlang, den schnell'n. Es treibt inmitten des Stromes, Aufwühlend die weissen Well'n. Zu Flöten- und Paukenklängen Ein Ruderlied erschallt, Doch stärker als all' diese Freuden Ist meines Schmerzes Gewalt. Wie lang bleibt Kraft und Jugend? Wie bald, so sind wir alt!
No title ("Herbstwind hat sich erhoben, ach") Otto Hauser (1876–1944)
— in: Brandes, Georg. Die chinesische Dichtung von Otto Hauser. Mit 9 Vollbildern in Tonätzung. Berlin W.: Marquardt Co., Verl.-Anst. G.m.b.H., 1905. p. 27.
Herbstwind hat sich erhoben, ach, Die weißen Wolken ziehen. Und Gras und Laub vergilbt und fällt, Die wilden Gänse fliehen. Schon blüht die Herbstzeitlose, ach, Um die ich stets mich gräme. Mein hohes Schiff, es gleitet, ach, Den Huen durchteilt sein Spriet, Die Wellen schäumen und rauschen, ach, Wie es durchs Wasser zieht. Zu Flötenschall und Pauken, ach, Sing ich ein Ruderlied. So stolz mein Glück gewesen, ach, So wild ist nun mein Weh. Jugend und Kraft, wie bald dahin, Was wehrt dem Alter je?
Ruderlied Otto Hauser (1876–1944)
— in: Hauser, Otto. Chinesische Gedichte aus der Han-, Tang- und Sung-Zeit. Übersetzt und eingeleitet von Otto Hauser, Aus fremden Gärten 58. Weimar: Alexander Duncker Verlag, 1917. p. 9.
— in: Jaspert, Reinhard. Lyrik der Welt. Lyrik und Weisheit des Auslandes. Berlin: Safari-Verlag, 1953. p. 128.
— in: Jaspert, Reinhard. Lyrik der Welt. Dichtungen des Auslands. Berlin: Safari-Verlag Carl Boldt, 1955. p. 108.
Herbstwind hat sich erhoben, ach, die weißen Wolken ziehen, Und Gras und Laub vergilbt und fällt, die wilden Gänse fliehen. Schon blüht die Herbstzeitlose, ach, duftet die Chrysantheme, Ich denk' an die Geliebte, ach, um die ich stets mich gräme. Mein hohes Schiff, es gleitet, ach, den Huen durchteilt sein Spriet, Die Wellen schäumen und rauschen, ach, wie er durchs Wasser zieht. Zu Flötenschall und Pauken, ach, sing' ich ein Ruderlied. So stolz mein Glück gewesen, ach, so wild ist nun mein Weh. Jugend und Kraft, wie bald dahin! Was wehrt dem Alter je?
Ruderlied Hans Heilmann (1859–1930)
— in: Heilmann, Hans. Chinesische Lyrik vom 12. Jahrhundert v. Chr. bis zur Gegenwart, Die Fruchtschale. München, Leipzig: R. Piper & Co., 1905. p. 10.
Der Herbstwind weht, ha! weiße Wolken fliegen; Die Blätter fallen, das Gras welkt, ha! Die wilden Gänse wandern gen Süden. Schon blüht die Blume Lan, ha! Schon duften die Chrysanthemen. Ich denke an das schöne Kind, ha! das ich nicht vergessen kann. Leicht schwimmt mein Schiff, ha! über den Hoën-Fluß Durch die wogende Flut, ha! mit den springenden, schäumenden Wellen. Beim Rauschen des Wassers und Trommelklang ha! hab' ich gedichtet das Ruderlied. Hoch war des Glückes Luft, ha! tief ist das Leid, das ihr folgt. Kraft und Jugend vergehn, ha! und das Alter bezwingt uns alle!
Ruderlied Klabund (1890–1928)
— in: Klabund. Das Blumenschiff. Berlin: Erich Reiss Verlag, 1921. p. 56.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 13.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II: Chinesische Gedichte. Nachdichtungen. Wien: Phaidon-Verlag, 1954. p. 11.
Und der Herbst hat sich erhoben, Und die wilden Gänse toben. Führ das Ruder, lieber Bruder, Eh in Asche du zerstoben. Laß, o laß die Chrysanthemen, Laß, o laß die blassen Schemen! Führ das Ruder, lieber Bruder, Und die Wogen laß uns zähmen. Nimm ein Weib nach deiner Weise Auf die wilde Wogenreise. Führ das Ruder, lieber Bruder, Eh der Kiel zerbarst im Eise.
Ruderlied Otto Wolfgang
— in: Wolfgang, Otto. Die Porzellanpagode. Wien: Der Gloriette-Verlag, 1921. p. 30.
Weisse Wolken fliegen – ho! Welker Blättertanz... Gras vergilbt. Nach Süden – ho! Zieht die wilde Gans. Chrysanthemen duften – ho! Und die Blume Lan. – Schlimme Kleine, die ich – ho! Nicht vergessen kann: Leuchtend lässt das Schifflein – ho! Flitzend Glitzerwellen Aus dem Hoén-Wasser – ho! Schäumend vor uns schnellen Und im Wogenrauschen – ho! Unter Trommelklang Schrieb ich dieses Liedchen – ho! – Hoch die Lust sich schwang... Ach, so hoch das Glück flieht – ho! Folgt so tief das Leid – Kraft und Jugend schwinden – ho! – Alles bricht die Zeit...!