王侍中粲懷德
Jiang Yan 江淹 (444–505)
伊昔值世亂。秣馬辭帝京。
既傷蔓草別。方知枤杜情。
崤函蕩丘墟。冀闕緬縱橫。
倚棹汎涇渭。日暮山河清。
蟋蟀依素野。嚴風吹枯莖。
鸛鷁在幽草。客子淚已零。
去鄉三十載。幸遭天下平。
賢主降嘉賞。金貂服玄纓。
侍宴出河曲。飛蓋遊鄴城。
朝露竟幾何。忽如水上萍。
君子篤恩義。柯葉終不傾。
福履既所綏。千載垂令名。
Ich denke an die Gnade des Herrschers Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 586f.
Einst begegnete ich den rebellischen Wirren der Zeit; ich fütterte meine Pferde und verliess die Hauptstadt.
Ich bin über diese Trennung betrübt, wie jenes Weib in der Ode (Schlingpflanzen der Wildnis) des Shih king (Legge IV 147), das infolge von Krieg von ihrem Geliebten getrennt wird; jetzt erst verstehe ich die Gefühle, die in der Ode vom einsamen Birnbaum (IV 181) zum Ausdruck gebracht werden.
Die Befestigung der Pässe Yao und Han[-ku] sind neuerdings zu Ruinen geworden; und beim Chi-ch'üeh-Thore (des Kaiserpalastes) herrscht die grösste Verwirrung.
Auf einem Ruderboot fuhr ich über den Ching- und Wei-Fluss; bei Sonnenuntergang sah ich Berge und Ströme in herrlicher Klarheit.
Das Heimchen hielt sich auf Maulbeerbäumen in der Wildnis auf (nicht mehr in Häusern, da diese schon zerstört waren); ein strenger Wind blies durch die vertrockneten Äste der Bäume.
Wasservögel lebten im tiefen Gras, und ich Wanderer weinte wegen all' dieses Jammers.
Vor dreissig Jahren habe ich die Heimat verlassen; glücklicherweise ist jetzt der Frieden auf Erden wiederhergestellt.
Ein würdiger Herrscher (Ts'ao Ts'ao) hat mir ein herrliches Geschenk gegeben; mit der mit Gold und Zobelfell [verzierten Mütze] diene ich [als Kammerherr] dem Kaiser (von dessen schwarzer Zeremonienkappe eine schwarze Quaste herabhängt).
Ich nehme teil an den bei P'u-chou (an der Krümmung des Huangho) veranstalteten Banketten und fahre in der Hauptstadt Yeh auf Wagen mit hohem Baldachin herum.
Wie wenige Jahre dürften mir noch bescheiden sein! Ist doch das Leben dem Morgentau zu vergleichen oder der auf den Fluten treibenden Wasserkastanie.
Trotzdem wird ein Edler der empfangenen Wohltaten stets eingedenk sein; daher wird sich meine Treue wie Zweige und Nadeln einer Fichte verhalten und niemals sich ändern.
So hoffe ich, dass der erhabene Herrscher in seinem Glück und seiner Würde verbleiben und sein Name noch nach tausend Jahren gerühmt werde.