怨詩
Ban Jieyu 班婕妤 (48 BC–6 BC)
新裂齊紈素。鮮潔如霜雪。
裁為合歡扇。團團似明月。
出入君懷袖。動搖微風發。
常恐秋節至。涼飈奪炎熱。
棄捐篋笥中。恩情中道絕。
Der Fächer Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Blüthen chinesischer Dichtung. Magdeburg: Commissionsverlag: Faber'sche Buchdruckerei, A. & R. Faber, 1899. p. 11.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 45.
Aus einem Seidenstücke zart,
Wie Schnee und Reif, so weiss,
Der Fächer hier geschnitten ward,
Rund wie des Vollmonds Kreis.
Im Aermel und im Busen auch
Mein Herr ihn mit sich führt.
Es weht ihn an ein kühler Hauch,
Wenn seine Hand ihn rührt.
Doch ach! schon kommt die Sonnenwend',
Ein frischer Herbstwind weht.
Der Sommer ist nunmehr zu End',
Die Sonnengluth vergeht.
Den armen Fächer fasst mein Herr,
Wirft in den Kasten ihn,
Denn er hat seine Gunst nicht mehr
Und seine Zeit ist hin.
— in: Oehlke, Waldemar. Chinesische Lyrik und Sprichwörter. Bremen-Horn: Walter Dorn-Verlag, 1952. p. 45.
Der Fächer Otto Hauser (1876–1944)
— in: Brandes, Georg. Die chinesische Dichtung von Otto Hauser. Mit 9 Vollbildern in Tonätzung. Berlin W.: Marquardt Co., Verl.-Anst. G.m.b.H., 1905. p. 28.
— in: Hauser, Otto. Chinesische Gedichte aus der Han-, Tang- und Sung-Zeit. Übersetzt und eingeleitet von Otto Hauser, Aus fremden Gärten 58. Weimar: Alexander Duncker Verlag, 1917. p. 10.
O Seidenfächer du, so zart und licht!
Rauhreif und Winterschnee sind weißer nicht.
Zur holden Gabe für den Freund bestellt,
Rund wie der helle Mond am Himmelszelt!
Daheim und draußen sollst du mit ihm sein,
Ihm sanfte Kühlung wehn, bedarf er dein.
Doch wenn der kühle Herbst dann kommt ins Land,
Und rauher Wind verlöscht des Sommers Brand,
Dann achtlos wirft er in den Schrein dich wohl,
Erloschner Liebe trauriges Symbol.
— in: Hauser, Otto. Chinesische Gedichte aus der Han-, Tang- und Sung-Zeit. Übersetzt und eingeleitet von Otto Hauser, Aus fremden Gärten 58. Weimar: Alexander Duncker Verlag, 1917. p. 10.
Der Fächer Klabund (1890–1928)
— in: Klabund. Das Blumenschiff. Berlin: Erich Reiss Verlag, 1921. p. 58.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 15.
Wie fiel im Sommer Reif auf meines Dorfes Dächer?
So weiß wie Reif und Schnee ist dieser Seidenfächer.
Ihn schickt ein Mädchen aus der Landschaft U,
Er fächle dir Erinnerungen zu...
Wenn einst der Reif in deinen Gärten liegt
Und Winterwind die dürren Äste biegt –
Bedarfst des Frühlingsfächers du nicht mehr ... O sprich:
Wirfst du ihn dann so achtlos weg - wie mich?
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 15.
Der Fächer im Herbst Richard Wilhelm (1873–1930)
— in: Gundert, Wilhelm. Lyrik des Ostens. München: Carl Hanser Verlag, 1952. p. 258.
Neu und zart aus weißer Seide,
Rein wie Schnee und frisches Eis
Ist des Fächers heitre Scheibe,
Wie des Vollmonds klarer Kreis.
Weilet stets dem Herrn zur Seite,
Kühlen Wind ihm fächelnd zu.
Doch es kommt des Herbstes Kühle,
Sommers Hitze geht zur Ruh –
Und der Fächer entgleitet der Hand,
Treue Liebe ihr Ende fand.
Das Lied von der Kränkung Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 478.
Vor kurzem habe ich mir ein Stück weisser Seide aus dem Lande Ch'i abgeschnitten, das rein weiss wie Frost oder Schnee war.
Daraus habe ich zur Erinnerung unserer vollkommenen (gegenseitigen) Liebe einen Fächer gemacht, der rund ist wie der helle Mond.
Dieser Fächer wird an Deiner Brust oder in Deinem Ärmel aufbewahrt und daraus entnommen werden; und in Bewegung gesetzt wird er eine leichte Brise erzeugen.
Stets bin ich besorgt, dass mit Erscheinen des Herbstes ein kalter Wind die Sommerhitze vertreibt.
Dann wirst Du diesen Fächer in einen Koffer werfen, und Deine Gunst und Liebe wird auf halbem Wege ihr Ende gefunden haben.