西陵遇風獻康樂詩
Xie Huilian 謝惠連 (407–433)
我行指孟春。春仲尚未發。 趣途遠有期。念離情無歇。 成裝候良辰。漾舟陶嘉月。 瞻塗意少悰。還顧情多闕。 哲兄感仳別。相送越坰林。 飲餞野亭館。分袂澄湖陰。 悽悽留子言。眷眷浮客心。 廻塘隱艫栧。遠望絕形音。 靡靡即長路。戚戚抱遙悲。 悲遙但自弭。路長當語誰。 行行道轉遠。去去情彌遲。 昨發浦陽汭。今宿浙江湄。 屯雲蔽曾嶺。驚風湧飛流。 零雨潤墳澤。落雪灑林丘。 浮氛晦崖巘。積素惑原疇。 曲汜薄停旅。通川絕行舟。 臨津不得濟。佇楫阻風波。 蕭條洲渚際。氣色少諧和。 西瞻興游歎。東睇起悽歌。 積憤成疢痗。無萱將如何。
Infolge widrigen Windes in Hsi-ling zurückgehalten, übersende ich diese Verse [meinem älteren Vetter Hsieh Ling-yün, Grafen von] K'ang-lo Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 429f.
Ursprünglich wollte ich im ersten Frühlingsmonat meine Reise antreten; aber im zweiten Monat war ich noch immer nicht aufgebrochen. Obwohl die beabsichtigte Reise weit war und innerhalb bestimmter Zeit zurückgelegt werden musste, zögerte ich, weil der Gedanke der Trennung von Dir mich mit tiefer Trauer erfüllte. Nachdem ich meine Koffer gepackt hatte, wartete ich auf eine günstige Stunde; auf schwankem Boote wollte ich herrliches Mondlicht geniessen. Angesichts des langen Weges fühlte ich mich freudlos; wenn ich an die Vergangenheit dachte, überkam mich Missvergnügen. Mein weiser Vetter war durch die bevorstehende Trennung ergriffen und begleitete mich weit hinaus bis jenseits des Weichbilds der Stadt. Er gab mir ein Abschiedsfest in einem Rasthaus inmitten der Wildnis; wir trennten uns am Südufer des durchsichtigen Sees. Seine (des Zurückbleibenden) Worte waren äusserst traurig; das Herz des Fortziehenden war voll Liebe und Sehnsucht. In einer Uferkrümmung kam mein Ruderboot (für die Nachblickenden) ausser Sicht; aus der Ferne wandte ich mich zurück, doch Gestalt und Stimme (meines Vetters) waren verschwunden. Langsam verfolgte ich meine lange Reise; mein Herz war voll Trauer wegen der weiten Entfernung von der Heimat. Mit diesem Heimweh muss ich allein fertig werden; denn auf dieser langen Reise finde ich niemanden, mit dem ich sprechen könnte. Je weiter die Reise geht, desto weiter entferne ich mich von der Heimat; je weiter ich mich entferne, desto lebhafter wird mein Heimweh. Gestern brach ich vom Nordufer des P'u-yang-Flusses (in Chekiang) auf; heute übernachte ich am Ufer des Che-Flusses. Zusammengeballte Wolken bedecken die hohen Berge; ein schrecklicher Sturm wirft hohe Wellen auf. Ein Landregen hat die Marsch mit ihren Gräben durchtränkt; ein (gleichzeitiger) Schneefall bedeckt die waldigen Höhen. Treibende Nebel verdunkeln Felswände und Spitzen; angehäufter Schnee lässt Wiesen und Felder nicht mehr von einander unterscheiden. In einer Flusskrümmung bin ich gezwungen zu bleiben und meine Reise zu unterbrechen; längs des ganzen Wasserlaufes haben die Boote zu fahren aufgehört. In der Nähe der Furt angekommen kann ich nicht übersetzen; die Ruder werden eingezogen, weil sie durch die windgepeitschten Wogen behindert sind. Zwischen Ufer und Inseln fühle ich mich verlassen und meine Stimmung verschlechtert sich. Blicke ich nach Westen (dem Ort meiner Bestimmung) seufze ich über die Weite der noch zurückzulegenden Strecke; schaue ich nach Osten (nach der von mir verlassenen Heimat) erhebt sich in mir dieses traurige Lied. Der in mir angehäufte Kummer macht mich krank; und da ich nicht jenes Kraut besitze, welches Sorgen vergessen lässt, weiss ich wirklich nicht, was ich nun tun soll.