暫使下都夜發新林至京邑贈西府同僚詩
Xie Tiao 謝朓 (464–499)
大江流日夜。客心悲未央。
徒念關山近。終知返路長。
秋河曙耿耿。寒渚夜蒼蒼。
引領見京室。宮雉正相望。
金波麗鳷鵲。玉繩低建章。
驅車鼎門外。思見昭丘陽。
馳暉不可接。何況隔兩鄉。
風雲有鳥路。江漢限無梁。
常恐鷹隼擊。時菊委嚴霜。
寄言罻羅者。寥廓已高翔。
Ich erhalte den Befehl, für kurze Zeit nach der Residenz zurückzukehren; in der Nacht breche ich von Hsin-lin auf; in der Residenz angelangt widme ich dieses Gedicht meinen früheren Kollegen im Yamen des Prinzen Hsiao Tzu-lung in Ching-chou Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Die chinesische Anthologie, Harvard Yenching Institute Studies 18. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1958. p. 441.
Der grosse Strom fliesst ununterbrochen Tag und Nacht dahin; mein Herz ist in der Fremde ebenfalls unausgesetzt betrübt.
Zuerst dachte ich nur, dass der Weg in die Hauptstadt ganz nahe wäre; schliesslich machte ich aber die Erfahrung, dass sich die Rückreise in die Länge dehnte.
Bei meinem Aufbruch am frühen Morgen war die Milchstrasse noch voll Glanz; die kalten Ufer erschienen nächtlicherweile verschwommen.
Den Hals ausreckend erblickte ich die Hauptstadt: ihre Paläste und Mauern wurden nacheinander allmählich sichtbar.
Der Mondschein verschönert den Elsternturm; der Yü-sheng-Stern beugt sich über den Chien-chang-Palast.
Ich fahre mit meinem Wagen bis vor das Ting-Thor; dort wende ich voll Sehnsucht den Kopf zurück in der Richtung [von Ching-chou] im Süden des Grabhügels [des Herzogs] Chao [von Ch'u].
Schöne (genussvolle) Tage können nicht für immer fortgesetzt werden; umsoweniger da wir jetzt an zwei weitentfernten Plätzen weilen.
In den vom Wind getriebenen Wolken können die Vögel (nach Ching-chou) zurückkehren; ich bin aber daran gehindert, weil den Grossen Strom und Han-Fluss keine Brücken überspannen.
Ich bin stets besorgt, dass Falken und Milane kleine Vögel erschlagen und dass die herbstlichen Chrysanthemen unter dem starken Frost absterben (d.h. ich fürchte durch Verläumder geschädigt zu werden).
Ich lasse nun die Vogelfänger (meine Verläumder in Ching-chou) wissen, dass ich schon hoch in die Lüfte emporgeflogen bin (d.h. hier am Hofe können sie mir nichts mehr antun).