閨怨
Wang Changling 王昌齡 (698–ca. 756)
閨中少婦不曾愁,春日凝妝上翠樓。 忽見陌頭楊柳色,悔教夫婿覓封侯。
Vom westlichen Fenster Klabund (1890–1928)
— in: Klabund. Dumpfe Trommel und berauschtes Gong. Nachdichtungen chinesischer Kriegslyrik von Klabund, Insel Bücherei. Leipzig: Insel Verlag, 1915. p. 10.
— in: Klabund. Dichtungen aus dem Osten. Bd. II China: Chinesische Lyrik. Wien: Phaidon-Verlag, 1929. p. 22.
An der Spitze funkelnder Soldaten zog mein Gatte in den Krieg nach Ruhm. Fröhlich war ich wie ein junges Mädchen, weil ich wieder ganz mein Eigentum. Aber wenn ich jetzt vor meinem Fenster sich die Weiden gelber färben seh (Grünten sie nicht, als er mich verließ?) und ahnend Himmel sich in mir bewölkt mit Winterschnee — Wird es ihn betrüben, fern von mir, einen Kranz von freudelosen Nächten sich zu winden – Statt der sanften grünen Knospen bei der Heimkehr den entlaubten Strauch zu finden?
Am Frühlingstag Elisabeth Oehler-Heimerdinger (1884–1955)
— in: Oehler-Heimerdinger, Elisabeth. Das Frauenherz. Chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden. Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1925. p. 65.
Als junge Frau im Kämmerlein Wußt ich noch nichts von Leide. Nun schmink ich mich am Lenztag fein Und späh vom Turm ins Weite. Und plötzlich seh ich auf dem Wall Junggrün die Weiden stehen! O hätt ich nimmer den Gemahl Zu Felde lassen gehen!