寄江南兄弟
Bai Juyi 白居易 (772–846)
分散骨肉戀,趨馳名利牽。
一奔塵埃馬,一泛風波船。
忽憶分手時,憫默秋風前。
別來朝復夕,積日成七年。
花落城中池,春深江上天。
登樓東南望,鳥滅煙蒼然。
相去復幾許,道里近三千。
平地猶難見,況乃隔山川。
Ich sende diese Verse an meine Brüder in Kiangnan Erwin von Zach (1872–1942)
— in: Zach, Erwin von. Hightower, James Robert (ed.). Han-Yü's poetische Werke, Harvard-Yenching Institute studies. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press, 1952. p. 321.
Wenn Brüder von einander getrennt sind, haben sie Sehnsucht nach einander;
Aus Verlangen nach Ruhm oder Gewinn sind sie einst in die Welt geeilt.
Der eine jagte mit seinem Pferd im Staube der Strasse,
Der andre segelte mit seinem Boot durch windgepeitschte Wogen.
Plötzlich gedenk ich der Zeit, da wir uns trennten;
Traurig und schweigend standen wir im Herbstwind.
Seit unserer Trennung ist immer wieder aus dem Morgen Abend geworden,
Und aus vielen, vielen Tagen wurden schliesslich sieben Jahre.
Jetzt fallen die Blüten in den Stadtgraben,
Und über den Ufern des Stromes herrscht prachtvolles Frühlingswetter.
Vom hohen Mauerturm schaue ich nach Südosten.
Wo Vögel im grauen Nebel verschwinden.
Unendlich ist doch die Entfernung, die uns von einander scheidet!
Es sind beinahe dreitausend Meilen.
Schiede uns selbst nur ebenes Land, wir könnten einander nicht sehen.
Wie einst, da Berge und Ströme zwischen uns liegen!