Oskar Ludwig Bernhard Wolff
male (1799–1851)
Wikidata ID: Q108670
Translations
2-
Mu lan shi er shou (1) "Ji ji he li li" 木蘭詩二首 (其一) "唧唧何力力": Die gute Tochter. Mou-Lan. (Anonymous (Lu Qinli))
Display translation
Tsi-tsi, noch einmal tsi-tsi! Mou-Lan webt vor ihrer Thüre, Nicht hört man des Schiffchens Schwirren, Nur des jungen Mädchens Seufzer. Woran denkst du, junges Mädchen? Worauf sinnst du, junges Mädchen? An nichts denkt das junge Mädchen, Auf nichts sinnt das junge Mädchen. Gestern erst sah ich die Liste, Zahllos Heer hebt aus der Kaiser, Zwölf der Theile hat die Liste, Und in jedem Vaters Namen. Keinen Sohn hast du, mein Vater, Keinen Sohn zum Krieg erwachsen, Keinen ältern Bruder Mou-Lan! Morgen will ich nach dem Markte, Pferd und Sattel mir zu kaufen, An der Stelle meines Vaters, Wie ein gutes Kind zu dienen. Auf dem Ostmarkt kauft ein Pferd sie, Auf dem Westmarkt einen Sattel, Auf dem Südmarkt einen Zügel, Auf dem Nordmarkt eine Peitsche. Lebe wohl, sagt sie am Morgen Ihrem Vater, ihrer Mutter. Abends bei dem gelben Flusse Will die Nacht sie dort verbringen; Höret Vater nicht, noch Mutter, Die der lieben Tochter rufen: Höret nur das dumpfe Rauschen Von des gelben Flusses Wellen! Drauf am Morgen nimmt sie Abschied, Scheidend von dem gelben Flusse; Abends ist sie angekommen Bei des schwarzen Flusses Quelle, Höret Vater nicht noch Mutter, Die der lieben Tochter rufen: Höret bei dem schwarzen Flusse Nur des Yenchan wilde Reiter. "Wohl zehntausend Meilen Weges Hab ich in dem Krieg durchzogen; Ueber Felsen, über Schluchten Setzt' ich flüchtig, wie ein Vogel. Meinem Ohre trug der Nordwind Des Nachtglöckchens Ton herüber; Und auf meine Eisenkleider Schien der Mond mit kaltem Lichte, Und nach hundert wilden Kämpfen Ist der Feldherr uns gefallen." Nach zwölf ewig langen Jahren Kehrt zurück der tapfre Krieger Und geht also gleich zum Kaiser. Auf dem Throne sitzt der Kaiser, Und verteilt der Würden eine Oder tausend Unzen Silbers. "Was ich wünsche, fragt der Kaiser: Mou-Lan wünscht nicht Amt noch Würde; Leih ihm eins von den Kameelen, Die an einem einz'gen Tage Mehr als tausend Meilen machen, Daß es nach dem Vaterhause Bringe ein geschiednes Kind." Als der Vater und die Mutter Ihrer Tochter Rückkehr hören, Eilen fort sie aus dem Thore, Gehn ihr alsobald entgegen; Als der ältern Schwester Rückkehr Ihre jüngern Schwestern hören, Lassen gleich sie ihre Kammer Schön geschmückt mit reichen Kleidern. Als der ältern Schwester Rückkehr Nun ihr jüngrer Bruder höret, Schleift er alsobald ein Messer, Um ein junges Lamm zu töten. "Meine liebe Mutter! öffnet Mir des Saals nach Osten Thüre, Setzet mich auf einen Sessel, Der nach Westen ist gestellet. Zieht mir aus das Kleid des Kriegers, Legt mir an die alten Kleider; Meine Schwestern vor der Thüre Wartend ordnen ihren Hauptschmuck, Und durchflechten vor dem Spiegel Reich ihr Haar mit goldnen Blumen." Mou-Lan geht aus ihrer Kammer Und besucht die Kriegsgenossen; Von Erstaunen und Verwund'rung Sind ergriffen die Genossen. Zog sie doch in ihren Reihen Fort mit ihnen zwölf der Jahre, Und sie haben nicht erfahren, Daß Mou-Lan ein Mädchen war.–
in: Hart, Julius. Orient und Occident. Minden, Westfalen: Bruns Verlag-GmbH & Co. KG, 1885. p. 4-6. -
Mu lan shi er shou (1) "Ji ji he li li" 木蘭詩二首 (其一) "唧唧何力力": Mou-Lan (Anonymous (Lu Qinli))
Display translation
Tfi-tfi, noch einmal tfi-tfi! Mou-Lan webt vor ihrer Thüre, Nicht hört man des Schiffchens Schwirren, Nur des jungen Mädchens Seufzer. Woran denkst du, junges Mädchen? Worauf sinnst du, junges Mädchen? An nichts denkt das junge Mädchen, Auf nichts sinnt das junge Mädchen. Gestern erst sah ich die Liste, Zahllos Heer hebt aus der Kaiser, Zwölf der Theile hat die Liste, Und in jedem Vaters Namen. Keinen Sohn hast du, mein Vater, Keinen Sohn zum Krieg erwachsen, Keinen ältern Bruder Mou-Lan! Morgen will ich nach dem Markte, Pferd und Sattel mir zu kaufen, An der Stelle meines Vaters, Wie ein gutes Kind zu dienen. Auf dem Ostmarkt kauft ein Pferd sie, Auf dem Westmarkt einen Sattel, Auf dem Südmarkt einen Zügel Auf dem Nordmarkt eine Peitsche. Lebewohl sagt sie am Morgen Ihrem Vater, ihrer Mutter. Abends bei dem gelben Flusse Will die Nacht sie dort verbringen; Höret Vater nicht noch Mutter, Die der lieben Tochter rufen: Höret nur das dumpfe Rauschen Von des gelben Flusses Wellen! Drauf am Morgen nimmt sie Abschied Scheidend von dem gelben Flusse; Abends ist die angekommen Bei des schwarzen Flusses Quelle, Höret Vaters nicht noch Muttter, Die der lieben Tochter rufen: Höret bei dem schwarzen Flusse Nur des Yenchan wilde Reiter. "Wohl zehntausend Meilen Weges Hab ich in dem Krieg durchzogen; Ueber Felsen, über Schluchten Setzt' ich flüchtig, wie ein Vogel. Meinem Ohre trug der Nordwind Des Nachtglöckchens Ton herüber; Und auf meine Eisenkleider Schien der Mond mit kaltem Lichte, Und nach hundert wilden Kämpfen Ist der Feldherr uns gefallen." Nach zwölf ewig langen Jahren Kehrt zurück der tapfre Krieger, Und geht alsogleich zum Kaiser. Auf dem Throne sitzt der Kaiser, Und vertheilt der Würden eine Oder tausend Unzen Silbers. "Was ich wünsche, fragt der Kaiser: Mou-Lan wünscht nicht Amt noch Würde; Leih ihm eins von den Kameelen, Die an einem einz'gen Tage Mehr als tausend Meilen machen, Dass es nach dem Vaterhause Bringe ein geschiednes Kind." Als der Vater und die Mutter Ihrer Tochter Rückkehr hören, Eilen fort sie aus dem Thore, Gehn ihr alsobald entgegen; Als der ältern Schwester Rückkehr Ihre jüngern Schwester hören, Lassen gleich sie ihre Kammer Schön geschmückt mit reichen Kleidern. Als der ältern Schwester Rückkehr Nun ihr jüngrer Bruder höret, Schleift er alsobald ein Messer, Um ein junges Lamm zu tödten. "Meine liebe Mutter! öffnet Mir des Saals nach Osten Thüre, Setzet mich auf einen Sessel, Der nach Westen ist gestellet. Zieht mir aus das Kleid des Kriegers, Legt mir an die alten Kleider; Meine Schwestern vor der Thüre Wartend ordnen ihren Hauptschmuck, Und durchflechten vor dem Spiegel Reich ihr Haar mit goldnen Blumen." Mou-Lan geht aus ihrer Kammer Und besucht die Kriegsgenossen; Von Erstaunen und Verwundrung Sind ergriffen die Genossen. Zog sie doch in ihren Reihen Fort mit ihnen zwölf der Jahre, Und sie haben nicht erfahren, Dass Mou-Lan ein Mädchen war. Man erkennet bald den Hasen, Weil in raschem Lauf er stolpert; Und an den erschreckten Blicken Kennet man alsbald die Häsin. Doch wenn sie zusammen laufen, Wer erkennet ihr Geschlecht?–
in: Jolowicz, Heinrich (ed.). Der poetische Orient. Leipzig: Verlag von Otto Wigand, 1853. p. 44f.