滕王閣
Wang Bo 王勃 (ca. 650–ca. 676)
滕王高閣臨江渚。珮玉鳴鸞罷歌舞。
畫棟朝飛南浦雲。珠簾暮捲西山雨。
閑雲潭影日悠悠。物換星移幾度秋。
閣中帝子今何在。檻外長江空自流。
Der Pavillon des jungen Königs Hans Bethge (1876–1946)
— in: Bethge, Hans. Pfirsichblüten aus China. Berlin: Ernst Rowohlt Verlag, 1923. p. 7.
Der junge König weilte gern am Ufer
Des Großen Flusses, wo ein Pavillon
Zierlichster Bauart seine Wohnung war.
Der junge König war in feinste Seide
Gekleidet, und an seinem goldnen Gürtel
Hing Jadeschmuck und klirrte hin und her.
Jetzt aber ruhn die köstlichen Gewänder
In Truhen, die aus Ebenholz geschnitzt sind,
Und auch der Jadeschmuck schläft irgendwo.
Kein König mehr betritt den Pavillon,
Der blaue Dunst des Morgens nur weht einsam
In ihn hinein und abends grauer Regen.
Die Wolken ziehn am Himmel hin und trüben
Den Strom; der junge König ist verschwunden;
Der Mond geht auf und eilt enttäuscht hinweg.
Herbst folgt auf Herbst. Wer sagt, wo jetzt der König
Verweilt und warum er dies Land verlassen,
Da er den Großen Fluß so sehr geliebt?
Das Lusthaus des Königs von Teng Hans Böhm (1876–1946)
— in: Böhm, Hans. Lieder aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Mit siebzehn Zeichnungen von Rudolf Grossmann. München: Verlagsbuchhandlung Georg D. W. Callwey, 1929. p. 20.
Der König von Teng hat einst dies Lusthaus gebaut,
Das hoch überm Strom auf die Sieben Inseln schaut.
Sein Gürtel erklang von edler Gesteine Tanz,
Um seinen Wagen sang der Goldglöckchen Glanz.
Glücklicher König von Teng!
Zu Ende der Steine Tanz und der Glöckchen Klang.
Des Morgens schleicht nur Nebel die Mauern entlang,
Abends näßt Regen den mürben Fenstervorhang
Im Lusthaus des Königs von Teng.
Auf spiegelnder Flut ziehn Wolken langsam, träg.
Alles flieht, nichts bleibt, die Sterne selbst gehn ihren Weg.
Wieviele Herbste sind schon an diesem Palast
Vorübergegangen? Wo ist sein Herr, sein Gast,
Der junge König von Teng?
Er hat wie wir zum Strome hinuntergeblickt,
Der ewig stumm seine tiefen Wasser schickt –
Armer König von Teng!