鳴鳩
Ouyang Xiu 歐陽修 (1007–1072)
天將陰,鳴鳩逐婦鳴中林,鳩婦怒啼無好音。 天雨止,鳩呼婦歸鳴且喜,婦不亟歸呼不已。 逐之其去恨不早,呼不肯來固其理。 吾老病骨知陰晴,每愁天陰聞此聲。 日長思睡不可得,遭爾聒聒何時停。 眾鳥笑鳴鳩,爾拙固無匹。 不能娶巧婦,以共營家室。 寄巢生子四散飛,一身有婦長相失。 夫婦之恩重太山,背恩棄義須臾間。 心非無情不得已,物有至拙誠可憐。 君不見人心百態巧且艱,臨危利害兩相關。 朝為親戚暮仇敵。自古常嗟交道難。
Die Waldtauben Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Dichtungen der Tang- und Sung-Zeit, Veröffentlichungen des Seminars für Sprache und Kultur Chinas an der Hamburgischen Universität. Hamburg: Friederichsen, de Gruyter & Co., 1929. p. 115.
Will es regnen bald, Jagt der Tauber die Täubin und ruft durch den Wald. Und die Täubin schreit zornig, daß häßlich es schallt. Ist der Regen vorbei, Lockt der Tauber die Gattin, singt fröhlich und frei. Kommt heim sie nicht eilig, tönt weiter sein Schrei. Als fort sie gejagt, ihm zu langsam sie ging, Jetzt eilt auf den Lockruf nicht gern sie herbei. Ob Regen, ob Sonn’, raunt mein Leiden mir zu. Will abends ich schlafen, so find ich nicht Ruh’. Denn wenn trübe das Wetter, muß ich hör’n euer Schrei’n. Wann endlich hört auf ihr mit eurem „ru-ku?“ Ihr seid zu den Toren zu zählen, Alle Vögel lachen euch aus; Könnt die tüchtige Gattin nicht wählen, Zusammen nicht bauen ein Haus. Ihr fliegt von den Jungen im fremden Nest fort, Und die Lebensgefährtin verlaßt ihr sofort. Die Liebe des Gatten dem Bergriesen gleicht: I m Nu eure Liebe und Treue entweicht. Euer Herz ist wohl jeden Gefühles nicht bar; Daß Wesen so töricht, ist traurig fürwahr. Seht Freunde ihr nicht, Wie auch Menschenherzen verschlagen gar sehr? In Not und Gefahr, da kommt man sich näh’r, Doch wer morgens verwandt, gilt schon abends als Feind. Ach, daß Freundschaft zu wahren, seit alters so schwer!