答聖俞莫飲酒
Ouyang Xiu 歐陽修 (1007–1072)
子謂莫飲酒,我謂莫作詩。
花開木落蟲鳥悲,四時百物亂我思。
朝吟搖頭暮蹙眉,雕肝琢腎聞退之。
此翁此語還自違,豈如飲酒無所知。
自古不飲無不死,惟有為善不可遲。
功施當世聖賢事,不然文章千載垂。
其餘酩酊一樽酒,萬事崢嶸皆可齊。
腐腸糟肉兩家說,計較屑屑何其卑。
死生壽夭無足道,百年長短纔幾時。
但飲酒,莫作詩,子其聽我言非癡。
Trinkverbot Alfred Forke (1867–1944)
— in: Forke, Alfred. Dichtungen der Tang- und Sung-Zeit, Veröffentlichungen des Seminars für Sprache und Kultur Chinas an der Hamburgischen Universität. Hamburg: Friederichsen, de Gruyter & Co., 1929. p. 113f.
Freund, du hast mich jüngst gebeten,
Doch dem Weine abzuschwören.
Dafür möchte ich dir raten,
Mit dem Dichten aufzuhören.
Vögel und Insekten fliegen
Singend auf die Blütenbäume.
Dauernd wechseln die Geschöpfe
Und verwirren meine Träume.
Morgens singe ich kopfschüttelnd,
Runzele die Brau'n am Abend,
Wie man Leber pflegt und Nieren
Von Han Yü vernommen habend.
Dieser Greis pflegt seinen Worten
Aber selbst nicht nachzuleben.
Ist es besser nicht im Rausche
Das Bewußtsein aufzugeben?
Wurden jene, die nicht tranken,
Je befreit vom Todeszwange?
Will man gute Werke tuen,
Zögere man nicht zu lange.
Tugendübung ist der heiligen
Weisen des Jahrhunderts Stärke,
Und bei andern schätzt die Nachwelt
Tausend Jahr noch ihre Werke.
Doch die übrigen, sie trinken
Und berauschen sich an Weinen,
Bis der Dinge Gegensätze
Ausgeglichen ihnen scheinen.
Daß der Leib, das Fleisch vergehen,
Lehren beide Anschauungen.
Welche wird in diesem Streite
Von der andern wohl bezwungen?
Von des Lebens Läng' und Kürze
Lohnt sich's nicht zu diskutieren
Und von hundert Jahr' noch Fristen
Kurz und lang zu statuieren.
Deshalb trinke unverdrossen,
Doch Gedichte schreib' darum nicht.
Höre, Freund, auf meine Worte,
Denn sie sind doch wohl so dumm nicht.